Koldewey, Robert
Die antiken Baureste der Insel Lesbos — Berlin, 1890

Page: 32
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/koldewey1890/0037
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile


ABSCHNITT IL

DAS LANDGEBIET MIT DÜRFERN UND GEHÖFTEN.

i. GEBIETSGRENZEN.

Wenn man auch nicht unternehmen kann, die Gebietsgrenzen der fünf Städte, die nach Herodot
(I, 151) die Insel unter sich theilten, im Einzelnen genau festzustellen, so giebt es doch Anhalt genug, um
zu einer einigermafsen klaren Vorstellung in Betreff der Machtausdehnung jener Städte, wie sie sich etwa
um das dritte vorchristliche Jahrhundert gestaltet haben mag, zu gelangen.

Eresos bietet den nächsten Anhalt. Eresos hat die Eigenthümlichkeit vor den übrigen Städten
voraus, dafs es sein Gebiet durch feste Posten, Wachtthürme, sicherte, die wir später genauer be-
trachten werden. Hier ist der Thurm auf Xerokastron und die bei Sigri und im oberen Thal der Tschi^-
lunda von Wichtigkeit, weil sie die Zugehörigkeit dieser Gebiete zu Eresos erkennen lassen. Das Thal von
Xerokastron zieht sich bis in die Berge von Vatussa und Anemotia hinauf und zwischen diesen und den
Thürmen der Tschiglunda Hegt ein toter District unfruchtbarer Berghöhen, um die sich Niemand gestritten
haben wird. So bestimmt sich die Grenze zwischen Eresos und Antissa.

Das Antissaeische Gebiet wird vom Methymnaeischen in ähnlicher Weise durch jene öden Berge bei
Philia getrennt gewesen sein, eine Grenze, die, zwischen den beiden rivalisierenden Städten immer unsicher,
schwerlich näher zu bestimmen ist; auch kommt darauf weniger an.

Wichtiger ist die Ausdehnung des Methymnaeischen Gebiets. Da die Unterwerfuni;' von Arisba dvn
Methymnaeern die Ebene von Kalloni erwarb, so gehörte ihnen damit ein Stück vom Euripos der Pyrrhaeer.
Danach können die Pyrrhaeer die Küste des Golfs nicht über die Ebene von Kalloni hinaus beherrscht haken.
Messa mit seinem Tempel gehörte offenbar zu Pyrrha. Dagegen legt sich im Norden von Messa eine
Abzweigung von dem Quellgebiet des Thermiflusses vor, welche die natürliche Scheidewand nach Methymna
zu bildet.

Wie sich die Gebiete von Pyrrha und Mytilene von einander trennten, würde ganz zweifelhaft bleiben,
wenn nicht Lolling in dem Folgenden einen Anhalt dafür beigebracht hätte:

»Eine Erwähnung eines Punctes im Gebiete von Pyrrha steckt wahrscheinlich in der Stelle des Anti-
gonos von Karystos hist. mirab. CLV (171): 'l'ovla)' dt ir\v vwv [JvQaxvov Xiuvijv oxav ava^TjQav&fi xdeo&ai;
hier scheint die Berufung auf den aus dem nahen Eresos stammenden Phanias für die Conjectur des Meursius
zu sprechen, der statt des verderbten [Jv^d/tov ITvQQatwv lesen wollte, während Bentley 2v(>dxu)V vorschlug.
Unter dem See ist wohl die sog. Megali Limni zu verstehen; in diesem kalk; ist ein Anhalt \\w die Aus-
dehnung des pyrrhäischen Gebietes nach Osten hin gewonnen; denn es ist nicht wahrscheinlich, dafs die Grenze
noch über den See hinausging, weil dieser genau auf der Wasserscheide liegt. Unter dem rö UvQQaL(ov
oqo£ to JiixvviSts des Theophrast hist. plant. 111 9, 5 (vgl. Plinius nat. hist. XVI 9 [19]) möchte ich das Tsamlik
verstehen, welches die Limni von der Stadt trennt.«

Danach haben wir am grofsen See \\w\ <\v\\ südlich anschliefsenden I lohen des Olymp die Grenze;
von Pyrrha und Mytilene zu suchen.
loading ...