Kranzbühler, Eugen ; Heyl, Cornelius [Oth.]; Illert, Friedrich M. [Oth.]
Worms und die Heldensage: mit Beiträgen zur Siegel- und Wappenkunde, Münz- und Baugeschichte der Stadt — Worms: Stadtbibliothek, 1930

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ANMERKUNGEN: I. EPOS UND CHRONIK

geschrieben habe (dann muß man sich über
die Zweifelsfrage hinwegsetzen können,
warum dieser selbe Verfasser die Wunderge-
schichte von Grenoble nicht chronologisch
vor den Tod Rolands und Karls eingereiht
hat), teils glaubt man, daß ein Fortsetzer der
Chronik Turpins so eine anderwärts über-
lieferte Erzählung aus den Sachsenkriegen
Karls abgewandelt habe. Ob es aber gerade
das zur Begründung der letzten Meinung
herangezogene Kriegserlebnis wäre, darf
man bei den geringen mit der Sage gemein-
schaftlichen Zügen vielleicht bezweifeln. Mir
erscheint das Abhängigkeitsverhältnis der
einen von der anderen Erzählung nicht aus-
reichend glaubhaft. Unter diesen Umständen
bleibt auch die Frage offen, welcher Zeit etwa
diese Wormser Befreiungsgeschichte ihre
Entstehung verdankt.
9 J.Viard,Les grandeschroniquesdeFrancelll
(1923) S. 297 ff. — vgl. L. G a u t i e r, Les epopees
franpaises III (1880) S. 424,19.
10 Und nicht besonders im Sinn von nieder-
deutsch („nördlich von Köln“), mitunter im
Gegensatz zu „alemant“ gebraucht, vgl. M.
Remppis, Die Vorstellungen von Deutsch-
land im altfranzösischen Heldenepos, Bei-
hefte zurZeitschrift für romanischePhilologie
XXXIV (1911) S. 2 ff, 103 ff.
n J.Viard a.a.O. I (1920) S.XIIf.
12 Die fragliche Stelle lautet nach der mir von
der Pariser Nationalbibliothek überlassenen
Abschrift: „ ... quod Karolus ejus avunculus
in arce quadam octingentesimo quarto decimo
horis Warmacie urbis trusus obsidione trium
regum ... tenebatur, mandans et efflagitans
etc.“ Die unmittelbare Abhängigkeit vonTur-
pin ergibt sich hierbei auch durch die Schluß-
worte: „Quilegis hoc carmen Turpino posse
juvamen, ut pietateDei subveniatur ei. Amen“.
Im übri gen stimmt derText mit dem bei Anm.3
gegebenen fast wörtlich überein („horis“ -
„oris“, von „ora“ — Umgegend). Nur ist in
diesen lateinischen Text irgendwie eine
Jahreszahl (814, das Todesjahr Karls) hinein-
geschlüpft. Zu beachten ist, daß diese Prosa-
erzählung als „carmen“ bezeichnet ist. — Der
gleiche Irrtum — Dalmatia statt Wormatia —
wiederholt sich übrigens in den Chroniken
von St. Denis in ganz anderem Zusammen-
hang: Im Abdruck beiB o u q u e tVIS.145 heißt,
es zum Jahr 821: Kaiser Ludwig der Fromme
„envoia son fil Lothaire pour y verner en D a 1 -

matie“ (S. 756 als Fehler der Vorlage er-
kannt und berichtigt: „en Dalmatie, il faut
[lire] „ä Varmatie“ ou „ä Vormes). Die Vita
Hludowici Imperatoris des sogen. „Astro-
nomen“ (SS II 626) berichtet den gleichenVor-
gangzum Jahr 821: Imperator „filium quidem
Hlotharium hiematumWarmatiam misit“. —
Die neueste Ausgabe der Chroniken von St.
Denis (J.Vi a r d a. a. O. IV (1927) S. 73 hat diesen
Fehler nicht erkannt, obwohl sie gelegent-
lich zur Erläuterung auf die genannte Hand-
schrift 5925 zurückgreift. Im übrigen kennt sie
die Namensformen „Garmacie“, „Warmaise“
(z. B. Viard III S. 24, 60, 66; IV S. 95).
13 J. P. Migne, Patrologiae cursus completus
CCXII (1855) S. 840.
14 SS XXIII S. 719: „ex dictis Turpinis de obses-
sione Karoli in Wormacia et de Rothlando
Granopolim obsidente“. — Vgl. daselbst S. 668
bei Anm. 85.
15 SSXXIII S.7i7:„DeobsessioneKaroliinWor-
macia, scilicet in quadam vetusta turri ultra
Renum, quam fecerant antiquitus gygantes,
non longe a Wormacia, et de Rothlando
Granopolim obsidente hic est annotandum.“
Daselbst S.650 das allgemeine Urteil Scheffer-
Boichhorsts über Albrichs Arbeitsweise:
„Narrationibus insulse cumulatis accedit stu-
penda auctoris credulitas: fictionesTurpini ei
ne tantillum quidem scrupulufti moverunt;
quae poetae suae aetatis de temporibus longe
remotis cecinerunt, ea interdum sane in du-
bium vocavit, sed saepius aut vere facta esse
credidit, aut cum historia, quae certa rerum
fide nititur, in concordiam redigere tentavit.“
Das paßt vollauf zu unserer Stelle.
16 SS XXIII S. 648.
17 G. P a r i s, De Pseudo-Turpino (1865) S. 43: „Al-
bericus Trium Fontium... historiae suaeTur-
pinum inseruit, et ipse non paucis interpolavit
fabulis, a cantilenis gestorum decerptis“. —
SS XXIII S.668ff.
18 AHG (1876) S. 448f. —QB (1876) Nr.3 und4S. 13
— W. Möller, Stammtafeln westdeutscher
Adelsgeschlech-ter im Mittelalter (1922) S. 87.
19 Jahresbericht der Denkmalspflege im Großh.
Hessen II (1912) S. 58.
20 Th. Müller, La chanson de Roland I (1878)
S. 251 ff.
21 E. Stengel, Das altfranzösischeRolandslied I
(1900) zuVers 2332. Die genaue Schreibweise
bei E. K ö 1 b i n g, La chanson de Roland (1877)
Vers 2483: „E Igeltere sinoples & Garmaise.“

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