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Krischen, Fritz; Wiegand, Theodor [Editor]
Milet: Ergebnisse der Ausgrabungen und Untersuchungen seit dem Jahre 1899 (Band 3 Heft 2): Die Befestigungen von Herakleia am Latmos — Berlin, Leipzig: Vereinigung wissenschaftlicher Verleger Walter de Gruyter & Co., 1922

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https://doi.org/10.11588/diglit.51765#0037
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Die Türme.

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DIE TÜRME (Taf. 9—25).
Die Gesamtzahl der Türme beträgt in allen Stadien der Befestigung zusammen gegen 100; in
dieser Summe ist eine Reihe verschiedener Typen enthalten, die alle für sich eingehend zu behandeln
sein werden. Zunächst jedoch haben wir die gemeinsamen Züge zusammenzustellen.
1. Mauerwerk. Das Mauerwerk entspricht vollkommen demjenigen der Kurtinen; besonders zu
bemerken ist jedoch der sehr sorgfältige Verband der Ecken, die auf beiden Seiten gegeneinander
wechselnd in jeder zweiten Schicht je zwei Binder zeigen, bei [stärkeren Mauern kommen auch drei
Binder vor. Da die Binder im allgemeinen längere Steine sind, ergibt das ein Bild nicht unähnlich
einer Blockhausecke. Der Vergleich mit Blockhäusern drängte sich uns. überhaupt mehrfach diesen
Werken gegenüber auf, die eigentlich nur durch das höchst monumentale Material den Eindruck von
mehr als allernüchternsten Zweckbauten hervorrufen und recht weit von dem malerischen Bild entfernt
bleiben, das man sich wohl von einer zinnenbekrönten Feste zu machen pflegt. Das innere Gefüge der
Turmmauern ist natürlich einfacher als bei den Kurtinen, da bei der geringeren Dicke nur wenig Hohl-
raum zwischen den Schalen bleibt; für den Verband genügen einzelne Binder, die mehr oder weniger
regelmäßig gerade wie bei den Kurtinen angeordnet sind. Die Stärke nimmt in der Regel mit jedem
Stockwerk ab. Am häufigsten ist ein Absatz von 25 cm, doch wechselt dieses Maß zwischen 15—65 cm.
Jedes Stockwerk wird oben durch eine halbhohe, durchbindende Schicht abgeschlossen.
2. Holzwerk. Auf dieser Schicht ruhen die Fußbodenbalken. Sie begnügen sich entweder mit
dem Auflager, das der Vorsprung der unteren vor die obere Mauer bietet, oder, wo er zu gering erschien
oder ganz fehlte, sind in Abständen von 0,50— I m Löcher für die Balken in der auf die flache Deck-
schicht folgenden Normalschicht angebracht, deren Abmessungen die verwendeten Holzstärken erkennen
lassen. Es ergeben sich für größere Spannweiten durchschnittlich Balken von 20/30 cm Querschnitt,
für geringere 20/20 cm, unter der Annahme, daß um die Balkenköpfe noch einiger Spielraum bleibt.
In einem Falle (20) sind auch die Spuren der zu den Balken quergelegten Latten erkennbar; sie waren
in die Wand eingelassen, und die dazu hergerichteten Löcher zeigen eine Achsweite von 35 cm und
geben für Latten von 8/14 cm Raum; diese trugen natürlich noch eine Dielung. Den oberen Abschluß
der viereckigen Türme bildete ein flaches Giebeldach; in zwei Fällen sind die Giebel (vollständig bei
Turm 70, teilweise bei Turm 62) erhalten. Die Dachkonstruktion ist sehr einfach, eigentlich nur eine
leichte, schräg gelegte Decke, deren Balken auf den Schenkeln des Giebels ruhen, je einer auf der Mitte
jedes Schenkels (70, bei größeren Türmen wohl mehr), einer im Scheitel. Der Abstand der Balken
beträgt horizontal gemessen I m, ihr Querschnitt 20/20 cm schätzungsweise — (Turm 70 ließ sich nicht
erklettern). Hatte man einen oblongen Grundriß, so legte man die Giebel auf der Langseite an, um kürzere
und leichtere Hölzer verwenden zu können, und um überhaupt einen Dachbinder zu vermeiden (62).
Man wird einwenden, daß es gewagt ist, von zwei Beispielen, die unter etwa 80 andern Rechteckstürmen
erhalten sind, auf eine allgemeine Anwendung des Giebels zu schließen. Nun ist aber von den in Frage
kommenden Türmen nur ein Dutzend etwa bis zum Oberstock erhalten und dabei wiederum nicht alle
bis zur höchsten geraden Schicht, und diese dann meist nur an den Ecken; das läßt das Verhältnis
nicht mehr so mißlich erscheinen. Eine so vollständige Erhaltung, wie die bis zum Giebel, kann ja
nur ganz vereinzelt vorkommen. Wir finden sie außer bei den beiden Türmen in Herakleia noch je
■einmal in Aigosthena, Messene und Perge; Georg Karo teilte mir mit, daß er Giebeltürme in der Stadt-
mauer von Alinda feststellen konnte; außerdem sind Giebel für die Türme von Athen durch die Inschrift
 
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