Morgenblatt für gebildete Stände / Kunstblatt — 15.1834

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Runst-Slatt.

Donnerstag, 6. Februar 1834.

Lunstverein zu Düsseldorf. Vierte Aus-
stellung. 1833.

(Beschluß.)

Die Kunstausstellung war wieder hauptsächlich mit
Arbeiten der Düsseldorfer Schule ausgestaltet. Sie bleibt
ihrem bisherigen Gange getreu, worüber früher in die-
sen Blattern und andrer Orten geredet worden ist. Arbei-
ten der verschiedensten Genres waren auch neuerdings
wieder fertig geworden; der Sinn für Natürlichkeit,
Farbe und Wirkung laßt sie aber doch als aus einer
Richtung hcrvorgegangen erscheinen.

A Jove jirincipium! — Um vom religiösen Kreise
zu beginnen, so hatte Schadow ein Votivbild für das
Kloster der barmherzigen Schwestern in Coblenz auöstcl-
leu lassen. Die Himmelskönigin steht, den göttlichen
Knaben im Arm, den Zepter in der andern Hand tragend,
von einer hellen Glorie umflossen, auf Wolken. Unten
am Rande des Bildes zeigen sich die Thürme von Coblenz.

Steinbrück, der hieher zurückgekehrt ist, zeigte
dagegen das Heilige in natürlicher häuslicher Umrahmung.
Maria tritt mit dem Kinde aus der Thür ihres Hauses,
welche nebst der Wand den ganzen Mittelgrund des Bil-
des ausmacht. Im Hause steht allerhand Geräkhe des
Pflegevaters.

Hübner, der uns ebenfalls wieder angehört, gab
in einem Nundgemälde von kleinem Format eine heilige
Familie. Maria sitzend, das Kind auf dem Schovße,
Johannes in verehrender Stellung davor. Hinten Joseph
und Elisabeth.

Von Settegast aus Frankfurt war eine Maria
mit dem Kinde, auf der Mondscheibe stehend, Engel um-
her, eingesendet worden. Kreuz und Glorie bilden den
Hintergrund. Ein Stück, welches auf eine liebenswür-
dige Anlage schließen läßt, leider nur in der nun doch
fast schon obsolet gewordenen alterthümelnden Weise ge-
macht. Wir sind überzeugt, daß, wenn der Künstler mit

seinen Augen sehn will, er uns noch viel Erstaunlicheres
zu geben vermag.

Dietrich ans Stuttgart hatte eiue sehr große
Komposition eingcschickt; Christus im Sturme auf dem
Meere, schlafend, die Apostel um ihn her, in verschieden-
artiger Bewegung; Querformat. Figuren zwei Drittel
Lebensgröße.

Aus der Sphäre der Darstellungen nach Dichtern und
zu der sogenannten romantischen Genremalerei gehörig,
würden wir zuvorderst das schöne Ben dem annsche
Bild: zw e i M a d ch e n a m B ru n n e n, anzuführen haben.
Wir können übrigens in Beziehung auf dasselbe nur
lediglich auf die Worte des Vortrags, den diese Bemer-
kungen begleiten, verweisen.

Die Mährchenerzählerin von Hildcbrandt.
I» der durch Lampen- und Kaminfeuerschein Helldunkel
gemachten Stube sitzt die alte Frau, und erzählt zwei
Kindern mit traulich schlauer Miene die Wunderdinge.
Ein Knabe sitzt auf einem Fußbänkchen und ist ganz Ohr;
ein anderes Kind hat sich der Alten furchtsam angedrängt.
Seltsamer Hauörath steht umher.

In derselben Mährchen - und Großmutter-Region
versirte ein allerliebstes Bild von Kretschmar: Roth-
käppchen, welches großen Beifall fand. Das Roth-
käppchen steht schmeichelnd bei der alten Großmutter, die
sich an dem Kinde innig zu erfreuen scheint. Kaffeetopf,
Hauskatze, und was sonst dahin gehört, ist nicht verges-
sen. Zum Fenster sieht der Verderber, der Wolf, herein.

Stieleke hatte vier Gemälde gegeben: Rinalds
Abschied von Armiden, ein größeres Bild. St.
Georg, kleines Format; außerdem: Kopf eines Ar-
meniers, und: Ein Engelskopf.

Hieran knüpfen wir die Erwähnung folgender Genre-
stücke :

Die Betschwester von Hasenclever.

Die Heimkehr und das gestörte Stell-
dichein, von Svnderland.

Ein Raucher, von Holthausew.
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