Morgenblatt für gebildete Stände / Kunstblatt — 15.1834

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Donnerstag, 4. September 1 8 3 4^

Vüssrldorffer Kn-rstbericht.

(Fortsetzung.)

Hildebrandt's betende Chorknaben. Der
Altar ist dein Auge entzogen. luir sehen nur vier Chor-
knaben. welche singend, die Bücher in den Händen, davor
knien; über sie hinaus blicken wir. durch einen Pfeiler
theilweise gehindert, seitwärts in das Schiff der Kirche.
Höchst anziehend ist die Auffassung der Knaben, in denen
der Maler die verschiedenen Schattirnngen kindlicher
Frömmigkeit und verzeihlicher, knabenhafter Zerstreuung
mit Geist und Laune darznstcllen gewußt hat. Bei Hil-
debrandt's bekannter gründlicher Weise bedarf die treffliche
Ausführung nicht erst der Erwähnung. Dies Bildchen
ist daher ein Liebling des Publikums geworden und wird
vom Kunstvereine in lithographischer Nachbildung ver-
theilt werden. Bei der Verloosung fiel es dem Kuust-
vereine zu Braunschweig zu.

Stielke'S Kreuzfahrcrwacht. Mehrere Nitter
auf der Spitze eines Hügels bilden die Vorwacht des
Heeres; einige ruhen, einer sieht in die Ferne, wo wir
ein Lager an der Küste des Meers entdecken. Eine ge-
lungene Komposition, doch zur Zeit der Ausstellung, wie
es schien, noch nicht ganz vollendet.

Sohn, die beiden Leonorcn, eine Farbenskizze; der
Gedanke ist, zwei weibliche Charaktere etwa in dem
Gegensätze, wie jene im Tasso, darzustellen.

Mehrere andere, nicht dem Vereine gehörige,Skizzen
schließen sich daran an.

Von Ben bemann, die heil, drei Könige auf der
Wanderung; sie schreiten theils sinnend, theils sehnsüch-
tig dem Sterne nach, den ein Engel leitet. Der reine
Ton östlicher Klarheit, der dem Gegenstände entspricht,
macht das Bildchen zu einer lieblichen Erscheinung.

Eine Skizze von Hübner, Christus unter den
Schriftgelehrten im Tempel, zeigt eine großartige Anordnung

und läßt die Ausführung in angemessener Dimension
höchst ivnnschenswerth erscheinen.

Der Vorbote eines gewiß bedeutenden Werkes war
die Farbenskizze von Lessing's Hu ssi tcnpredigt.
Auf einem kleinen Hügel im freien Felde unter einem
Banme steht der Prediger, im langen slavischen Dvppel-
rocke, mit unbedecktem Haupte, wildem schwarzen Haar,
schwärmerisch aufgeschlagenem Auge. Beide Hände sind
gehoben, kn der Rechten sehen wir den Kelch, fast wie
eine Waffe geschwungen, von einem Arm, der mehr zu
schlagen gewöhnt ist, als zu segnen. Rund um -ihn her,
zu beiden Seiten und im Vorgrunde knien und stehen
Zuhörer, meist Männer, nur ein Weib mit ihrem Kna-
ben, i», raaunichfaltigen Ausdruck der, Frömmigkeit bald
stumpf und regungslos, bald demüthrg, zerknirscht, er-
geben. Ein jünger Edelmann in slavischer Tracht, neben
einem Ritter vor den Andern kniend (denn der Vorgang
der Geburt und Bildung mußte sich auch in dieser wilden
Schaar erhalten) zeichnet sich durch brünstig schwärmerische
Weise aus. Im Hintergründe sehen wir die Mauern eines
brennenden Klosters, dessen Rauch den Himmel verhüllt.
Ohne Zweifel bezweckt diese Predigt, die Schaar zu neuem
Kampfe, dessen sie gewärtig seyn muß, anzuregen, und
auf der Lippe des Redners schwebt eines jener alttesta-
mentarischen Drohworte, wie sie die Propheten auf ihr
halsstarriges Volk oder aus die Feinde desselben schleu-
derten, und wie sie die furchtbaren Waffen aller christ-
lichen Schwärmer wurden. Die Komposition im Ganzen
hat den Vorzug, höchst geschlossen zu seyu; im Einzelnen
sind schon in dieser Skizze viele sehr tief und eigcn-
thümlich gedachte Gestalten bemerkbar, besonders auch
dadurch interessant, weil das slavische Element in ihnen
so glücklich benutzt ist. Näher über diese Details zu spre-
chen, schieben wir billig bis zur Vollendung des Bildes
ans, von dem wir in der That etwas sehr Bedeutendes
erwarten. Die Wabl des Stoffes ist verschiedenen Urthei-
len unterworfen, und nicht seiten hört man das Bedauern,
daß der Künstler seln großes Talent nicht einem schöner.!
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