Morgenblatt für gebildete Stände / Kunstblatt — 6.1825

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M. ?r

K u n ft - Bl a t t.

Montag, den Z. September iZsZ.

Grabmal

dcr Frau v. B e n k e n b o r ff, geb. v.Alopeus
in Häslach bey Stuttgart.

(Mit Plan, Aufriß und Durchschnitt des Monuments.)

Am 4. Jan. x 823 starb in Stuttgart die Gemahlin
des.Generals v.Benkendorfs, damaligen kaiserl. russ.
Gesandten am würtembergischen Hofe; eine Frau, so aus-
gezeichnet durch edle Geistesgaben und einnehmende Ta-
lente, als durch Herz und Sinn für alles Gute und
Schone. In dcr Blüthe der Jugend, im Genuß des
reinsten Glücks an dcr Seite eines zärtlichen Gatten und
zweyer hoffnungsvollen Kinder, im Besitz aller der An-
uehmlichkeiten des geselligen Lebens, welche Anmuth, Lie-
benswürdigkeit, Stand und Reichthum verleihen können,
hatte der Hauch des Todes zu früh das zarte Leben ge-
streift. Ihr Verlust, obgleich langer geahnct, war für
Angehörige, Freunde und Alle die sie kannten, im höch-
sten Grade schmerzlich und betrübend.

Dcr tiefgebeugte Gatte gedachte eines früher, viel-
leicht im Vorgefühl des nahen Todes von ihr geäußerten
Wunsches; daß sie einst in dem schönen Thale von Häs-
lach, eine Stunde von Stuttgart, wo am Abhang von
Weinbergen ein kleiner Dorfkirchhof zwischen Vaum-
pflanzungen liegt, ihre Ruhestätte finden möchte. Hier
ward innerhalb der wenigen Tage, welche die Anstalten
zur Beerdigung gestatteten, unter der Leitung des könig,
lichen Hofbaumeisters Salucci ein oberhalb des Kirch-
hofs erkaufter Platz geebnet, und ein geräumiges run-
des Gewölbe ausgemauert, in welches man die Leiche
Mit Feperlichkeit beysezte.

Unmittelbar an diese Veranstaltung schloß sich der
Gedanke, das Andenken, der Verewigten durch ein
Denkmal zu ehren. Dann ecke r modellirte, bald nach
ihrem Tod, sehr ähnlich ihre Büste , und der schicklichste
Platz, dieß Bildniß für die Nachwelt anfzubewabren,
war an der Stätte, wo die Reste der Verklärten in den
Schooß der Erde waren aufgenommen worden. Dem Gat-
ten, welcher für den Schmerz um die theure Gefährtin

keinen Trost fand als die Aussicht auf einstige Wie-
dervereinigung, war der Wunsch natürlich, jene Gruft
auch einst zu seiner Ruhestätte zu bestimmen. So ward
der Vorsatz gefaßt, ein monumentales Gebäude zu er-
richten, welches die Büsten bepder Ehegatten aufnehmen
sollte.

Schon früher hatte Dannecker die Büste des Herrn
v. Benkendorff in Marmor ausgeführt. Er modellirte
nun bepde Bildnisse aufs neue, zu einer Gruppe verei-
nigt, in welcher sie fast als Halbfiguren erscheinen, ein-
ander bcy der Rechten fassend, während Seine Linke trau-
lich auf Ihrer Schulter ruht und Sie die ihrige bedeu-
tungsvoll auf die Brust legt.. Den Gedanken zu dieser
Composition gab die Erinnerung an eine schöne Gruppe
im vatikanischen Museum, die unter dem Namen Cato
und Porzia bekannt, *) aber wohl ein Bild ehelicher
Treue und Zärtlichkeit, und zwar aus der schönsten Zeit
römischer Kunst ist, denn die Ausführung hat eine
Wahrheit und Lebendigkeit, welche dieß Werk den besten
des Alterthums anreihet. Danneckers Gruppe weicht in
Anordnung und Drapirung ganz von jener ab; doch hat
er auch die männliche Büste mit einer antiken Toga sehr
schon drapirt; die weibliche trägt einen Schleper, der
vom Hinterhaupt in breiten Massen auf Schultern und
Arme herabfällt, und die Faltung des Gewands ist eben-
falls in antiker Art gehalten. Dieß Werk wurde fürs
Erste nur in Gyps, aber mit großer Sorgfalt und Voll-
endung ansgeführt, und erhielt zum Hintergrund eine
Nische, die auf einem Sockel ruht.

Während der Bildner dieß Monument arbeitete,
ward auch das Gebäude begonnen und gedieh im verflos-
senen Jahr zur völligen Beendigung. In den bepliegen-
den lithographirten Blättern können wir unfern Lesern
den Aufriß, Durchschnitt und Grundriß des Ganzen nach
Hrn. Salucci's eigenen Zeichnungen mittheilen.

Durch den Unterbau des Gewölbes war die runde
Form gegeben, welche der Architekt beybehielt, um auf ei-
ner breitvorspringenden Basis einen runden, von allen

*) Mus. Pio - Clem. T. VII. Tav. XXV.
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