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KUNSTNACHRICHTEN
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Anzeigen -V erwaltung:
WEISE 'N) CO. - BERLIN W. 62.

I. JAHRG. No. 5/6

15. Januar 1912

Friedrich der Große und die Berliner Porzellan-Manufaktur.
Nach den Aufzeichnungen des Geheimen Kommissionsrats Grieninger.

r~Äie Vorgeschichte der Berliner Porzellan-
Manufaktur reicht bis in das Jahr 1750
zurück, wo Wilhelm Caspar Wegeli den ersten
Versuch machte, das ihm von Arbeitern aus
Höchst verkaufte Geheimnis der Herstellung
echter Porzellane in der preußischen Hauptstadt
'zu verwerten. Die überaus sehen 'gewordenen
Arbeiten dieser bereits 1757 wieder aufgegebenen
Fabrikation sind mit einem blauen W gezeichnet
und zeugen von einer ziemlich durchgebildeten
Technik. Von dem Bildhauer Reichard kaufte
J. E. Golzkowski 1761 das Geheimnis für
4000 Taler und errichtete, in der Leipziger Straße
eine Fabrik, deren Leitung der königlich polnische
und kurfürstlich sächsische Kommissionsrat Grie-
ninger übernahm. Dieser engagierte den Email-
maler Jacque Clauce und den Modelleur Elias
Meyer aus Meißen, sowie eine Anzahl von Ar-
beitern, die mit den dortigen Praktiken genügend
vertraut waren. Später siedelten auch die Maler
C. W. Böhme, J. B. Borrmann und Ch. Klipfel
nach Berlin über, so daß sofort ein Stamm tüch-
tiger Techniker vorhanden war. Im August 1763
mußte Gotzkowsky seine Zahlungen einstellen,
und noch vor Ablauf des -Monats übernahm der
Staat die Porzellan - Manufaktur gegen Zahlung
von 225000 Talern. Grieninger wurde Direktor
und führte ein sorgfältig datiertes Journal, dem
das Folgende zum Teil wörtlich entnommen ist.
Von dem ersten Besuche Friedrichs des Großen,
der schon im Anfang September stattfand, weiß
Grieninger voller Bewunderung für das lebhafte
Interesse des Königs manches zu erzählen.
. „Niemals hat sich wohl ein Monarch gnädiger her-
abgelassen. Sein huldreicher Blick erstreckte sich
über Alles. In der Mühle und dem Schläm-
mereigebäude blieb - er lange, um die Zubereitung
der Materialien mit anzusehen. Bei den Brenn-
gewölben sprach er lange mit mir von den Por-
zellanöfen, und zeichnete den Umriß von einem

sächsischen Gaarofen, wie er-meinte, in meine
Schreibtafel. Es war aber' nicht der Gaar- oder
Gutofen, sondern der Umriß vom Verglühofen,
der dem Könige zu Meißen statt jenes mag ge-
zeigt worden sein. In den Ärbeiterstuben, in
den Vorrathskammern und auf dem Waaren-
lager, nirgends entging, seiner ihm ganz beson-
ders eigenen Aufmerksamkeit etwas. An manchen
Orten, wo er etwas wahrzunehmen glaubte, das
anders wäre, als zu Meißen, fragte er um die
Ursache der Verschiedenheit. Da ich ihm auf
seine Frage: ob die Porzeilanmänufaktur auch
auf einem für sie schicklichen Platz angelegt
wäre, zur Antwort gab: daß sie in Rücksicht auf
die Mühlen- und Stampf-werke zur Ersparnis der
Pferde sowohl, als wegen Abführung ‘ der Por-
zellane und wegen Transport der vieler! Materi-
alien und des Holzes, besonders auch wenn Feuer,
bei dem doch beständig gearbeit würde, auskäme,
viel zu weit von der Spree entfernt wäre, sagte
der allergnädigste König: „Er hat recht, indessen
wollen wir sehen, wie weit wir hier damit kom-
men werden; geht es gut, wie ich alle Hoffnung
habe, so können wir sie hinbringen, wohin wir
wollen“. Ja, das neue Werk wurde ihm hernach
bei seinem ausnehmend glücklichen Fortgang so
lieb und werth, daß ich mich um alles nicht
hätte unterstehen wollen, etwas wegen Verlegung
in Vortrag zu bringen. Auch waren auf die
Einrichtung und auf die Gebäude schon zu große
Kosten verwendet worden. Da er über' zwei
Stunden verweilet und sich über alles die ge-
naueste Auskunft hatte geben lassen, versicherte
er alle auf das huldreichste seiner königlichen
Gnade unter der gewissen Anhoffnung, daß ein
jeder ferner wie bishero allen Fleiß anwenden
würde, das neue Werk je länger je mehr zu
seiner Vollkommenheit bringen zu helfen. Wer
hätte wohl hierbei ungerührt bleiben können,
und ohne daß " er nicht den festen Entschluß
 
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