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der Akademie gewählt worden, nämlich Prof.
Ludwig D e11mann, der Direktor der Königs-
berger Kunstakademie, zum auswärtigen Mitglied
der Sektion für bildende Künste und Hugo
Kaun in Berlin zum Mitglied der Sektion für
Musik.
Von den Hochschulen.
Lehrauftrag über Großstädtisches Verkehrs-
wesen an der Charlottenburger Hochschule. Der
neuberufene Professor in der Abteilung für Bau-
ingenieurwesen an der Technischen Hoch-
schule zu Berlin-Charlottenburg, Richard
Petersen, der frühere Oberingenieur der Con-
tinentalen Gesellschaft für elektrische Unter-
nehmungen , hat einen Lehrauftrag über das
„G r o ß s t ä d t i s c h e V e r k e h r s w e s e n“ erhalten.
Petersen, der seit mehr als anderthalb Jahrzehnten
auf diesem Sondergebiet arbeitet und zu den
besten Kennern des großstädtischen Verkehrs-
wesens gehört, ist durch zahlreiche wertvolle Ver-
öffentlichungen bekannt geworden. Bei dem
Wettbewerb „Groß-Berlin“ war er der technische
Mitarbeiter des Entwurfs „Et in terra pax“, dem
der dritte Preis zufiel. Es ist, wie die „Deutsche
Bauzeitung“ betont, hoch erfreulich, daß gerade
an der Technischen Hochschule zu Berlin für
dieses wichtige neuzeitliche Gebiet ein Lehrstuhl
geschaffen worden ist.
Vom Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der
Berliner Universität. Der ordentliche Professor
für Kunstgeschichte Heinrich Wölfflin hat dieser
Tage seine letzte Vorlesung in der Berliner
Universität gehalten und wird vom nächsten
Sommer an an der Münchner Universität lehren.
Sein Nachfolger ist Adolf Goldschmidt, der
derzeitige ordentliche Professor für Kunstgeschichte
an der Universität Halle. Uns scheint dieser
Wechsel bedeutsam genug, daß wir einige Augen-
blicke dabei verweilen. Wölfflin ist Künstler
und Philosoph zugleich. Die Gelehrsamkeit ist
ihm wichtig, aber doch nur die notwendige Vor-
bedingung für den Beruf des darstellenden und
lehrenden Kunsthistorikers. Für ihn ist Ge-
schichte und gar erst Kunstgeschichte eine
„Kunst“. Die Kunst, ein ungeheuer großartiges
Bild des künstlerischen Schaffens zu entrollen,
indem er dieses in seiner lebendigen Wirkung
überall aufsucht, im Kleinen wie im Großen, im
Kunstgewerbe, in der Malerei, in der Skulptur
wie in der Architektur, und das Werden eines
Stiles durch alle Phasen, die Aufnahme eines
neuen, das Sterben des alten verfolgt. Für Wölfflin
ist Kunstgeschichte die Darlegung des Wachstums
künstlerischer Formen, modifiziert durch das Auftre-
ten neuer künstlerischer Aufgaben. Jedes Kunstwerk
und jede Kunstwandlung erscheint ihm aus einer

inneren Notwendigkeit entsprungen. In seiner
Kunstgeschichte spielt der Zufall keine Rolle. Er
sucht die innersten Kräfte im Schaffen der Völ-
ker wie der Zeiten zu finden, um sie begrifflich
zu fassen (denn ohne Begriffe ist keine Wissen-
schaft denkbar). Diese Begriffe von der ein-
fachsten Art, zum Beispiel Maße, Gliederung,
Bewegung (horizontale und vertikale) lassen sich
mit dem mannigfachsten Inhalt füllen. — Ob-
wohl von ihm nur als Versuche betrachtet, sind
seine vergleichenden Betrachtungen zur Entwicke-
lungsgeschichte der Kunst unübertrefflich. Man
muß ihn hören, mit welcher Feinheit er die
Linien zieht und seine Ausführungen durch Do-
kumente in Form von Lichtbildern belegt. Dies
kann nur, wer über einen großen Gedächtnis-
schatz an Monumenten verfügt, nur wer sie durch
unermüdliche Betrachtung ganz in sich aufge-
nommen hat. Wir wagen die Behauptung, daß
nur in dieser von Wölfflin eingeschlagenen Rich-
tung die Zukunft der Kunstgeschichte liegt. —
Daneben muß freilich die Forschung wie bisher
eifrig das Rohmaterial herbeischaffen, es bear-
beiten und ausmünzen, und die Aufgabe der
Universitätslehrer wird es sein, junge Forscher zu
erziehen, eine Aufgabe, der sich Wölfflin mög-
lichst entzogen hat. An seiner Stelle wird das
nun sein Nachfolger tun. Mit ihm zieht ein
anderer Geist in die Hörsäle der Universität ein,
eine scharfe Luft wird wehen und die schwär-
menden ästhetisierenden Damen, die man zu
Wölfflins Füßen sitzen sah, herausblasen. Adolf
Goldschmidt ist ein exakter Forscher, er kennt
nur das, was er sieht, und ist skeptisch gegen-
über Vermutungen über das, was man mit nüch-
ternen Augen nicht sehen kann. Vielleicht paßt
er besser in die Berliner Luft als Wölfflins ide-
aler Geistesflug, der bei verschiedenen Angehö-
rigen der philosophischen Fakultät und bei über-
geordneten Stellen auf Unverständnis und Wider-
stand stieß.
, Eine Stiftung Stracks für die Berliner Tech-
nische Hochschule. GeheimratStrack, der jüngst
verstorbene Lehrer an der Berliner Technischen
Hochschule, hat der Hochschule eine wertvolle
Sammlung hinterlassen, die er in seiner letzten
Lebenszeit angelegt hatte. Strack beschäftigte sich
in den letzten Jahren damit, architektonische Auf-
nahmen, Grundrisse, Schnitte, Aufrisse und auch
Ansichten der vornehmsten Gebäude Roms zu-
sammenzustellen. Strack gehörte zu .den besten
Kennern des Bauwesens der ewigen Stadt, deren
Baudenkmäler er in zwei wichtigen Veröffent-
lichungen dargestellt hat. Seine Sammlung zeigte
er vor einiger Zeit in einer Ausstellung in seiner
Architektenwerkstatt. Dieser kostbare Besitz geht
nun in die Sammlungen der Technischen Hoch-
schule über, an der Strack nicht weniger als ein
halbes Jahrhundert verdienstvoll tätig gewesen ist.

Mle Zuschriften sind zu richten an den Verlag Weise & Co., Berlin W.62 - Druck: Krey und Sommeriad, Niedersedlitz-Dresden.
 
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