Deutschland <Deutsches Reich> / Reichs-Limeskommission [Editor]
Limesblatt: Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission — 3.1894-1895

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Limesblatt.

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steinen eingedeckt und sämtlich durch
Feuer zerstört. Sogenannte Begleithügel
waren nirgends vorhanden.

a) Turm Ferbach I, 560 m südöst-
lich vom Ferbach, lehnt sich unmittelbar
an den Grenzwall, weil wenige Schritte
hinter ihm das Terrain steil zu einem
Wiesengrund abfällt. Aus dem gleichen
Grunde ist die rückwärtige Mauer 1,10 m
stark, während die übrigen nur eine Stärke
von 80 bis 90 cm besitzen, auch ist zur
Herstellung des Mauerwerks besserer
Mörtel, als bei allen andern Bauwerken,
verwendet worden. Innenraum 3,20x3,60 m.

b) Turm Ferbach II, im Walde,
nahe der Landesgrenze. Entfernung von
Ferbach I 700 m, vom Kücken des Grenz-
walles 10 m. Innenraum 3,90 X 4,60 m;
Mauerstärke 1 m.

In der Südwestecke des Turmes, 30 cm
von der Fundamentmauer entfernt, befand
sich ein kleiner, aus Trockenmauern her-
gestellter Keller von 1,80 X 1,40 m Grund-
fläche und 0,75 m Tiefe; derselbe beweist,
dass das Frdgeschoss des Turmes als Vor-
ratsraum benutzt wurde.

c) Turm Ferbach III, am rechten
Ufer des Veisternachtbaches, 350 m öst-
lich der Bempermühle. Enfernung von
Ferbach II 560 m, vom Kücken des Grenz-
walles 10 m. Innenraum 3,20 X 3,20 m;
Mauerstärke 1 m.

d) Turm Ferbach IV, im freien
Felde, auf der Höhe zwischen Hillscheid
und Höhr. Entfernung von Ferbach III
650 m, vom Rücken des Grenzwalles 10 m.
Innenraum 3,60 X 3,60 m; Mauerstärke 1 m.

e) Turm Hill scheid C wurde nicht
aufgefunden; er muss in der Gegend ge-
legen haben, wo der Vicinalweg Hülscheid-
Höhr den Grenzwall schneidet und ist
durch den Acker-, resp. Strassenbau ver-
wischt.

f) Turm Hillscheid B liegt im
Walde 48,5 m südlich von dem erster-
wähnten trigonometrischen Punkt, 20 m
hinter dem Grenzwall, inmitten zahlreicher
Sandgruben, die — zwischen sich steile
Ränder lassend — zellenartig 3 bis Im
tief ausgehoben sind. Entfernung von
Ferbach IV 1240 m, Innenraum 3 X 3 m,
Mauerstärke 1 m. Die Südwestecke des

Turmes ist 1 m hoch in der Obermauer
erhalten und wurde photographiert. Das
Mauerwerk ist, wie bei allen anderen
untersuchten Bauwerken, ausserordentlich
flüchtig aus ganz rohen Bruchsteinen mit;
Mörtel hergestellt, der zum grössten Teil
aus Lehm besteht.

g) Turm Hill scheid A, im Walde,
hart am Wege Hillscheid-Montabaurer Höhe.
Entfernung vou Hillscheid B 900 m, vom
Rücken des Grenzwalls 17 m, vom Gra-
ben des Kastells Hillscheid 9 m.

Dieser Turm war, abweichend von
allen andern, im Erdgeschoss mit einem
starkem Fussboden aus sehr festem Estrich
versehen; auf letzterem wurde in der
Brandschuttschicht ein halbverkohlter,
eichener Balken von 27 cm Durchmesser
gefunden.

h) Turm Hillscheid I im Walde,
auf dem Abhänge nach dem Kaltebach.
Entfernung von Hillscheid A 520 m, vom
Rücken des Grenzwalles 22 m. Innenraum
4,30 X 4,30 m, Mauerstärke 1,20 m.

3. Die Zwischenkastelle.

a) Zwischenkastell „am Ferbach78.
bei Höhr". Das Kastell wird so benannt,
um einer Verwechselung mit dem in der
Litteratur zu streichenden Kastell „Höhrer
Löcher" vorzubeugen. (Vgl. v. Cohausen,
Der römische Grenzwall, Seite 236.) Es
liegt 60 m hinter dem Grenzwall, 47 m
südöstlich vom Ferbach, noch im Reg.-
Bez. Coblenz aber so, dass seine Ostecke
die Landesgrenze tangiert. Das Mauer-
werk war überall ausgebrochen, jedoch
Hessen sich die wesentlichsten Abmessun-
gen an den Fundamentgräben etc, mit hin-
reichender Genauigkeit bestimmen. Grösse
(an der Feuerlinie gemessen) 30,5 X 20 m,
Mauerstärke 0,80 m. Breite des Thorein-
ganges (in der Mitte der Decumanfront)
3,10 m. Breite der Berme 0,80 m.

Das Kastell war von einem 5 m brei-
ten, 1,80 m tiefen Spitzgraben umgeben.
Ziemlich in der Mitte des Kastells stand ein
viereckiges Praetorium von 7,50X10,20 m
Innenraum und 0,65 m Mauerstärke. Das-
selbe war durch eine in der Längsrichtung
des Kastells gezogene Scheidewand in zwei
Räume geteilt, einen grösseren (7,50X 5,75m)
der linken, und einen kleineren (7,50X3,60 m)
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