Deutschland <Deutsches Reich> / Reichs-Limeskommission [Editor]
Limesblatt: Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission — 3.1894-1895

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LIMESBLATT.

Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission.

Erscheint jährlich in 5—G Nrn. zum Preise von 3 Mark.

Druck und Verlag der Fr. Lintz'schen Buchhandlung in Trier.

Nr. Ii.

Ausgegeben am 10. Oktober

1894.

77. Höhr-Langenschwalbach*). Die Unter-
suchung dieser Strecke begann am Fehr-
bach bei Höhr und wurde am Kaltebach
bei Hülscheid abgebrochen. Länge der
festgestellten Linie 6 km. Ausgegraben
«urden 2 Zwischenkastelle und 7 Türme.

1. Der Grenzwall. 45 m nördlich
der Stelle, wo die vormals nassauische
Landesgrenze den Fehrbach überschreitet,
tritt der Grenzwall — von Nordwesten
kommend — mit einem gut erhaltenen
PfOfil aus dem "Weitersburger Gemeinde-
wald und verläuft von dort aus, nur ein-
mal einen kaum wahrnehmbaren Knick
bildend, fast 4 km weit geradlinig auf den
trigonometrischen Punkt, den die General-
stabskarte 1 :25000 (Sekt. Montabaur)
500 m nördlich von Hülscheid verzeichnet.
Hier schwenkt er in der Richtung auf das
mit der Höhenzahl 1383 bezeichnete, 1 km
nordöstlich von Hülscheid aufgestellte tri-

*) Bei den Mitteilungen Uber diese Strecke
werden bis auf Weiteres folgende Bezeichnungen
gebraucht werden:

1) Die Turme werden nach dem nüchstgele-
genen Kastell und ausserdem in der Richtung
"ach dem Rhein zu furtlaufend mit A, B, C etc.,
in der Richtung nach der Donau zu mit I, II, III
s. w. benannt werden. Turm „Hülscheid C ißt
also beispielsweise der dritte Turin in der Rich-
tung vom Kastell Hillscheid nach dem Rhein.

-) Die Bezeichnung „Limes" wird möglichst
vermieden werden, weil Bie zu MiBsverständnissen
^ eranlassnng geben kann; wird sie ausnahms-
weise gebraucht, so sind darunter die gesamten,
an der (irenze vorhandenen fortifikatorischen und
sonstigen Anlagen zu verstehen.

(.Statt der Bezeichnung „Zwischenkastell" bringt
der Hr. Streckenkommissar „Wachtkastell" in Vor-
sehlag; die Bezeichnung „Zwischenkastell" sei
nach den UnterBuchungen der letzten Jahre un-
haltbar geworden, weil die betreffenden Kastelle
in vielen Fallen nicht „zwischen1* Hauptkastellen
agen. — Uni Verwechslungen zu vermeiden em-
pfiehlt sich jedoch in diesen Blattern die Bcibehal-
img der bisherigen Bezeichnung. Die Redaktion.]

gonometrische Signal ab; circa 250 m vor
letzterem umgeht er in viermaliger poly-
gonaler Brechung (mit 3 geradlinigen
Schlägen von je 60 m Länge) das an der
Strasse Hülscheid - Montabaurer Höhe ge-
legene "Wachtkastell, sowie einen in un-
mittelbarer Nähe des letzteren befindlichen
Turm und steigt dann südwärts in das
Thal des Kaltebaches hinab.

Der Grenzwall ist im Walde überall
deutlich erkennbar erhalten, im freien
Felde überall eingeebnet. Er ist in den
einzelnen Schlägen genau geradlinig ge-
führt; die Brechungen der geraden Linie
liegen stets in der Nähe von Wachttür-
men. Nur einmal geht er aus seiner dem
Rhein parallelen, südöstlichen Richtung
heraus, um auf dem nach Südwesten ab-
fallenden Bergrücken der Montabaurer
Höhe einen für Anlage des Kastells Hül-
scheid geeigneten Platz zu umschliessen
und — das ist wohl die Hauptsache —
einen so hoch gelegenen Punkt zu gewin-
nen, dass die Abgabe optischer Signale
nach dem Rhein möglich war. Ein in
dieser Richtung ausgeführter praktischer
Versuch ergab, dass eine am Kastell Hill-
scheid über den Baumkronen gehisste
Flagge von einer südöstlich von Vallendar
am Rhein gelegenen Bergkuppe sichtbar
war, die gleichzeitig ein Signalisieren
nach Coblenz, Andernach und Niederbieber
gestattete. Auf dem betreffenden Berge
will man Reste römischen Anbaues gefun-
den haben.

2. Die Wachttürme. Dieselben wa-
ren so angelegt, dass von Turm zu Turm
das zwischenliegende Gelände bis in die
kleinsten Tcrraiufalten übersehen werden
konnte. Sie, wie alle anderen untersuch-
ten Gebäude, waren sämtlich mit Back-
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