Deutschland <Deutsches Reich> / Reichs-Limeskommission [Editor]
Limesblatt: Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission — 3.1894-1895

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LIMESBLATT.

Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission.

Erscheint jährlich in 5—6 Nrn. zum Treise von 3 Mark.

Nr.

Druck und Verlag der Fr. Lintz'schen Buchhandlung in Trier.

Ausgegeben am 30. September

1895.

115. Arzbach-Augst. [Kastell.] Dasselbe liegt
120 Fuss hoch über dem Wiesengrand des
Arzbaches; das Terrain fällt unmittelbar
vor der Berme der linken Flanke steil zu
letzterem ab. Vor der rechten Flanke
steint das Terrain zuerst sanft, dann steiler
an, so dass das Kastell auf dieser Seite
schon in einer Entfernung von 2—300 m
eingesehen werden konnte. Ca. 1">0 m vor
der Front und 100 m vor der Bückseite
fällt das Terrain zu dem Wetzel- resp.
dem Emsbach. Die schwächste Seite ist
hiernach die rechte Flanke; vor den drei
übrigen Seiten ist das Terrain auf Schuss-
weite stark coupiert und konnte vielfach
vom Kastell aus nicht eingesehen werden.
Die Terrainbeschaffenheit ist also als eine
nicht günstige zu bezeichnen — immerhin
aber günstiger, als hei den wenigen an-
deren Bauplätzen, die in dieser gebirgigen
Gegend noch in Frage kommen konnten
und dieser Umstand war bestimmend für
die Wahl gerade dieses Platzes. Das
Kastell hat eine Breite von 79,20, eine
Länge von 03,20 m. Die Umfassungsmauer
ist 1,40 m breit. Die Thorc und die Eck-
türme springen nach Aussen etwas vor,
Zwischentürme sind nicht vorhanden. Die
l'rinzipalthore liegen näher der Front als
der Bückseite.

Ganz zerstört war der Westturm der
porta pract. Mauer und Türme an der
porta dec. hatte man als Steinbruch für
Kirche und Tfarrgrundstück benutzt, je-
doch konnten an den untersten Funda-
mentlagen die llauptmaasse noch mit ge-
nügender Sicherheit bestimmt werden. Alle
übrigen massiven Mauern waren relativ
gut, zum Teil noch in der Obermauer er-
halten ; heim Ostturm der port. praet.
stand die Oberniauer noch bis 0,75 m

Hohe. Die Trockenmauern waren — wie
gewöhnlich — kaum noch als solche zu
erkennen; nur an wenigen Stellen wurden
die Steine noch in ihrer ursprünglichen
Lage vorgefunden. Als Material war
hauptsächlich Tracbyt verwendet worden,
der aus alten Brüchen am „grossen Kopf"
stammt, zum kleinern Teil ein schlechter,
in der Nähe des Kastells gebrochener
Schiefer. Die rechte Flanke, und zwar
diese ausschliesslich, war in Fischgräten-
manier hergestellt.

Auf der linken Flanke war, weil das
Terrain hier sehr abschüssig ist, kein
Graben vorhanden. Die Berme war durch
eine 2,30 m hohe Trockenmauer befestigt,
die an 3 Stellen festgestellt wurde.

Die porta praet. und die porta princ.
dextra waren durch 1 m starke Mauern
vermauert, die sich mit den Ausscnllächen
der Kastellmauer verglichen. Die Zu-
mauerung ruhte auf festgestampftem Lehm
und war bis 0,43 m über dem Sockel der
Kastellmauer gut erhalten. Die porta
princ. sin. war nicht vermauert; dagegen
lagen in derselben zahlreiche, auffällig
grosse Steine, die zum Teil nur durch 2
bis 3 Arbeiter gehoben werden konnten
und darf daraus wohl auf eine Verbarri-
kadierung dieses Thores geschlossen wer-
den. Bei der porta dec. konnten, wegen
der hochgradigen Zerstörung derselben,
derartige Details überhaupt nicht festge-
stellt werden.

Sämtliche Baulichkeiten im Kastell —
einschliesslich Türme — waren durch Feuer
zerstört. Westlich neben dem Praetorium,
zum Teil noch in die Itetentura ragend,
lag ein 17,70 m langes, 0,00 m breites
Gebäude, welches nur einen ungetheilten
Baum enthält. Der Streckenkommissar
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