Deutschland <Deutsches Reich> / Reichs-Limeskommission [Editor]
Limesblatt: Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission — 3.1894-1895

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LIMESBLATT.

Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission.

Erscheint jährlich in 5—G Nrn. zum Treise Ton 3 Mark.

Druck und Verlag der Fr. Lintz'schen Buchhandlung in Trier.

Nr. 12. Ausgegeben am 2!). November 1894.

90. Hofheim. [Kastell.] Auf dem zwischen
Kriftel, Ilofheim und Marxheim gelegenen,
vom Taunus in die Mainebene vorspringen-
den Plateau, welches zu ziemlich gleichen
Teilen den Gemarkungen der genannten
Orte angehört, waren iu den vierziger
Jahren infolge zufälliger Funde umfassende
Ausgrabungen veranstaltet worden, deren
Krgebnisse nach den summarischen Be-
richten in den Annalen des Nassauischen
Altertumsvereins und den Mitteilungen
alterer Ortsbürger bedeutend gewesen sein
müssen. Beide Quellen betonen überein-
stimmend, dass damals noch ausgedehnte
„Ruinen" das ganze Plateau bedeckt haben.
Leider hatte die „planmässige" Ausgra-
bung die Ausbrechung aller erreichbaren
Fundamente seitens der Ackerbesitzer zur
Folge. Ausserdemist es im höchsten Grade
bedauerlich, dass man es unterlassen bat,
von den zahlreichen aufgedeckten Gebäu-
den Grundrisse aufzunehmen und besonders
den Plan des damals aufgefundenen Kastells
in die Flurkarten einzuzeichnen (vgl. v. Co-
hausen, Der römische Grenzwall, S. 15(1).
Die grosse Bedeutung, welche die Position
von Ilofheim für die Okkupation des rechts-
rheinischen Gebietes zweifellos gehabt hat,
liess eine neue Nachgrabung als notwen-
dig erscheinen, die dadurch sehr erschwert
wurde, dass teils infolge der erwähnten
Ausgrabungen, teils durch die intensivere
Ausnutzung des Bodens alle äusserlich
sichtbaren Spuren von Mauerzügen in den
letzten Jahrzehnten vollkommen verwischt
worden sind. Diejenigen Anhaltspunkte
aber, welche durchziehende Ackergrenzen,
Feldwege und Bodenanschwellungen für
die Lage des Kastells zu bieten schienen,
erwiesen sich sehr bald als Irrlichter.
Insbesondere entspricht der sog. „Hahn-

acker Weg", den man bisher allgemein als
„Elisabethenstrasse" bezeichnete, und nach
welchem man die Lage des Kastells zu
bestimmen pflegte, in seinem nordöstlichen,
hierfür in Betracht kommenden Teile über-
haupt keiner alten Strasse, ist vielmehr,
wie sogleich die ersten Durchschnitte be-
wiesen, hier nur dadurch entstanden, dass
man das unbrauchbare Material wirklicher
römischer Kieswege und Fundamentc an
dem Gewannwege anschüttete. Und doch
schien die Auffindung jener Strasse die
einzig sichere Grundlage für ein plan-
mässiges Suchen nach dem Kastell auf
dem ca. 1 km im Quadrat umfassenden
Terrain zu bieten, über welches sich die
in Gefäss- und Ziegelstückchen und we-
nigen Kalksteinen bestehenden Zeichen
römischen Anbaus erstreckten. Es gelaug
unter Benutzung von Beobachtungen, wel-
che der Besitzer der Ilofheimer Obstbaum-
schule, Hr. Bich. Zorn, beim Rigolen neu an-
gekaufter Grundstücke gemacht hatte, den
Übergang der Strasse über den Schwarz-
bach, sowie ihren Verlauf am Abhänge des
Berges hinauf in Gestalt eines umgekehrten
S — abweichend von allen seitherigen An-
nahmen — festzustellen und für ihren rö-
mischen Ursprung Beweise durch die in
den Strassengräben liegenden Antikaglien
zu finden. Für die relativ spätzeitige An-
lage dieser Hauptverkehrsstrasse zwischen
dem römischen Heddernheim und Mainz
(vgl. Limesblatt 9 S. 274) wurden dabei
neue ausschlaggebende Anhaltspunkte ge-
funden. Mehrere Schnitte ergaben, dass
ein älterer i m breiter Weg, der, wie sich
später zeigte, vor der Front des Kastells
verlief, nachträglich auf das Normalmaass
der Elisabethenstrasse verbreitert worden
war, so dass das Profil 3 Gräben zeigte,
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