Deutschland <Deutsches Reich> / Reichs-Limeskommission [Editor]
Limesblatt: Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission — 3.1894-1895

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Limesblatt.

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von welchen der mittlere, auf dessen Sohle
sich neben Gefässresten eine Münze des
Vespasianus fand, von dem neueren Teile
der Strasse überschüttet war. Zwei Kur-
ven, welche die letztere auf dem Plateau
beschreibt, um in die Richtung des be-
kannten geradlinigen Stückes Mainz-Die-
denbergen einzulenken, boten die ersten
Anhaltspunkte für eine Kombination be-
züglich der Lage und Grösse des Kastells,
die sich dann bestätigen sollte, wenn auch
der Umstand, dass alle Mauern ausge-
brochen waren und die Fluchtlinien nur
durch die mit spärlichen Stein- und Mür-
telresten ausgefüllten Fundamentgräben,
öfters auch nur mit Hülfe der Contrees-
carpe des inneren Wallgrabens festgestellt
werden konnten, die Arbeit erschwerte.
Doch gelang es, die Lage und Grösse,
sowie die Grundrisse der 4 Thore zu er-
mitteln und die Existenz von kleinen (4 m
breiten) Zwischentürmen mit 23 m breiten
Intervallen zu konstatieren. Die Form der
wohl zweifellos vorhandenen Ecktürme
konnte dagegen wegen der hochgradigen
Zerstörung der 3 zugänglichen Ecken nicht
ermittelt werden. Die Eckabrundung hatte
einen lladius von 14,50 m, die Mauerstärke
betrug im Fundament 1,60 m. Ausserge-
wöhnlich tief (3,50 m unter der nur durch
Berechnung festzustellenden Bernte) waren
die je 8,50 m breiten, vor den Thoren
unterbrochenen Doppelgräben. Das ganze
Kastell bildet ein Rechteck von rund
138:159 m, kommt also dem Quadrat
näher als die meisten jüngeren Limes-
kastelle. Sein Flächeninhalt ist dem des
Wiesbadener Kastells (144: 158 m) fast
gleich, mit welchem es auch durch das
Vorhandensein von Zwischentürmen und
manche andere Eigentümlichkeiten sich
verwandt zeigt. Als Baumaterial diente
Flörsheimer Kalk, nur die Thore und, wie
es scheint, die Ecken waren mit kleinen
Quadern von grauem Sandstein, wahr-
scheinlich linksrheinischer Provenienz, ver-
blendet. Aus demselben Material fanden
sich unter den Trümmern der porta decu-
mana einige schräg profilierte Sockelsteino
und Gesimsstücke mit Hohlkehle.

Das Kastell war mit seiner Längen-
achse von SO. nach NW. orientiert, hatte

das Dekumanthor also nicht in der Rich-
tung Mainz, sondern nach dem Main und
der ursprünglich zweifellos in dieser Rich-
tung verlaufenden Strasse von Mainz nach
der Wetterau liegen. Die Front war der
Senke von Niedernhausen zugekehrt, durch
welche eine alte Strasse aus dem Lahu-
ins Mainthal führte, die sich in 2 Arme
teilte, welche, beide „Hühnerstrasse" ge-
nannt, einerseits am Wiesbadener, ander-
seits am Hofheimer Kastell vorüber die
Ebene erreichten. Doch scheint, der Lage
des Kastells entsprechend, auch die nord-
östliche Langseite als eine zweite An-
griffsfront gegen die Wetterau gedacht zu
sein. Denn während die porta decumana
und die nach Mainz gerichtete porta prin-
cipalis sinistra je zwei gleichbrcite Ein-
gänge mit trennendem Pfeiler hatten, be-
stand die porta praetoria aus einem nur
durch zwei nach innen vorspringende
Türme flankierten einfachen Thorweg, wäh-
rend die porta principalis dextra ausser
diesem nur noch ein P/s m breites Pfört-
chen hatte. Die Prinzipalthore lagen ent-
gegen den bei den Limeskastellen üblichen
Dispositionen erheblich nach der Dekuman-
seite zurück (94,45 : 64,05 m), die beiden
anderen haben die gewöhnliche Lage in
der Mitte der Schmalseiten.

Von Innengebäuden fanden sich nur
geringe Spuren; die bei den Limeskastellen
gewöhnlich vorkommenden Massivbauten
der Retentura scheinen hier nicht vorhan-
den gewesen zu sein. Das Prätorium be-
stand, nach den unbedeutenden Spuren,
die sich von ihm fanden, zu scbliessen,
aus einem rechteckigen Hof von noch
kleineren Dimensionen (22 : 28 m) als beim
Wiesbadener Kastell, der sich wie dort
und auf der Saalburg von der via princi-
palis nach der porta praetoria bin er-
streckte und dieser gegenüber durch eine
Mauer von geringer Stärke abgeschlossen
war, an die sich kleine, leichtgebaute
Räume anschliessen mochten.

Es war mir durch den archäologischen
Dirigenten mitgeteilt worden, dass Jacobi
im Kastell Zugmantel als Zeichen der
einstigen Lagerabstockung eine Markierung
des Cardo und Decumanus in Gestalt von
Gräbchen und teilweiser Absteinung auf-
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