Deutschland <Deutsches Reich> / Reichs-Limeskommission [Editor]
Limesblatt: Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission — 3.1894-1895

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LIMESBLATT.

Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission.

Erscheint jährlich in 5 —G Nrn. zum Preise von 3 Mark.

Nr. 13.

Druck und Verlag der Fr. Lintz'schen Buchhandlung in Trier.

Ausgegeben am 20. Dezember

1894.

100. Frankfurt. [Strassenforschung und Kastell
Okarben. Vgl. Limesblatt Nr. 52 und 69.]
Die im vorigen Jahre nachgewiesenen
Strassen wurden teils systematisch, teils
gelegentlich bei Neubauten, Feld- und
Strassenarbeiten weiter untersucht. In
Nied konnte die rechtsmainische Ufer-
strasse auch auf dem linken Ufer der
Nidda nachgewiesen werden. Für ihren
weiteren Verlauf nach Mainz boten die
Ausgrabungen bei Flörsheim neue Anhalts-
punkte ; stromaufwärts wurde ihr Körper
im westlichen Teile von Grossauheim (bei
Grosskrotzenburg) aufgefunden. Auch bei
Hanau lieferten die interessanten Münz-
funde neben der römischen Mainbrücke
neue Beweise für ihre Existenz und Rich-
tung. Die früher nur vermutete Strasse
Heddernheim - Bergen wurde durch
Nachgrabungen in der Niederlassung im
Heckwald bei Eschersheim nachgewiesen.
Von dieser fuhren durch das sumpfige Ge-
lände nur 1 m breite, aber durch Packun-
gen aus groben Basalthausteinen befestigte
Pfade nach einer durch reiche Grabfunde
neuerdings konstatierten Ansiedelung öst-
lich und einer vermuteten westlich von
Eckenheim. Wie im vorigen Jahre bei
der Steinstrasse, so wurde im letzten
Herbste bei ihrer südwestlichen Fort-
setzung der Elisabethenstrasse durch die
Art ihres Verlaufes vor dem Kastell Ilof-
heim und ihre Struktur erkannt, dass sie
zu den jüngeren Strassonanlagen der Wet-
terau gehört. Spuren einer wahrschein-
lich älteren Militärstrasse, die von Wies-
baden (bzw. Kastel) über Hofheim, Soden,
Oberursel etc. immer dicht am Fusse des
Taunus entlang nach Butzbach und Fried-
berg führte, wurden aufgefunden. Ihr
Verlauf sowie die Lage und Orientierung

der Kastelle zu Wiesbaden und Ilofheim
machen es wahrscheinlich, dass die Taunus-
thäler ursprünglich durch grössere Kastelle
am Fusse des Gebirges gesperrt wurden,
zu welchen sich die kleinen Kastelle auf
dem Kamme des Taunus nur als Vor-
postenstellungen verhielten. Die Entschei-
dung dieser Frage muss dem nächsten
Jahre vorbehalten bleiben. Von grund-
legender Bedeutung für das Verständnis
der Okkupation der Wetterau und damit
auch des Verlaufes des Chattenkrieges
Domitians sind die im Zusammenhange
mit der Strassenforschung gemachten Ent-
deckungen in und um Okarben bei Fried-
berg. Dass dort an der von Heddesheim
nach der nördlichen Wetterau führenden
Steinstrasse eine grössere römische Nieder-
lassung lag, welche auch mit der Fund-
stelle am Marienhofe durch eine Strasse
verbunden war, konnte als ausgemacht
gelten (vgl. Kofier, Westd. Ztschr. XII
S. 135 und Quartalblätter des historischen
Vereins für das Orossherzogtum Hessen,
1889, Nr. 2, S. 64). Von einer Befestigung
an dieser Stelle war nie die Bede gewesen.
Und doch musstc den Gedanken an eine
solche die Beobachtung regelmässiger In-
tervalle zwischen den sämtlich aus der
ersten Zeit der Okkupation stammenden
Kastellen der Wetterau und des Unter-
mains nahe legen, und zwar umso mehr,
da die in diesem Herbste in Angriff ge-
nommene Untersuchung des Strasscnnetzcs
der nördlichen Wetterau in Okarben bald
einen Knotenpunkt von römischen Wegen
erkennen Hess und da es sich immer deut-
licher herausstellte, dass der Lauf der
Nidda von hervorragender Bedeutung für
das Vordringen der Römer in der Wetterau
gewesen sei.
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