Deutschland <Deutsches Reich> / Reichs-Limeskommission [Editor]
Limesblatt: Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission — 3.1894-1895

Page: 343
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Limesblatt.

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wege der beiden Seitenthore und wird
-durch einen grossen Doppelhof gebildet,
um welchen in ziemlich symmetrischer
Entsprechung rechts und links (S. und N.)
gegen Osten lange Hallen, gegen Westen
einzelne kleinere Räume angeordnet sind.
Auch an der Ost- und Westseite liegen
kleinere Gelasse, in der Mitte der West-
seite ein etwas abgerundeter, nicht unter-
kellerter Kaum (sacellum), dessen Mitte
von der Mittelachse des Kastells durch-
schnitten wird. Von den in der südlichen
.Hälfte gelegenen, besser erhaltenen Ge-
mächern hatte keines eine Heizeinrichtung,
wohl aber eines oder das andere der gegen
Norden gerichteten, die aber teilweise bis
auf das unterste Fundament zerstört sind.
In einem der ersteren war der Wandver-
putz noch deutlich sichtbar. Die beiden
Höfe scheinen durch ein Thor verbunden
gewesen zu sein. In den östlichen Hof
und die anliegenden Räumlichkeiten führen
-Eingänge (3?) von Osten, in die Langhallen
ausserdem direkte von Süden (und Norden).
Der innere, westliche Hof hatte zwei selb-
ständige Eingänge von Süden und Norden,
die aber, wie auch die nach diesem Hofe
mündenden Thüren der einzelnen Zimmer,
in späterer Zeit zugemauert worden sind. Die
sog. Exerzierhalle fehlt, wie auch im Ost-
kastelle und wahrscheinlich auch in Oster-
burken. Von Architekturstücken ist nur
eine Art Akroterion mit Gorgoneion (?) zu
nennen, sowie 2 Basen von Standbildern,
welche auf der Estrade vor dem „sacellum",
sowie am Südeingang in die südliche Lang-
halle standen.

Ein Wohngebäude von 19,50 : 13 m
wurde im südöstlichen Teile des Lagers
aufgedeckt. Es enthält mehrere Einzel-
räume, darunter einen heizbaren, und einen
schön aufgemauerten und verputzten Keller
mit Wandnischen und Lichtöffnungen. In

letzterem kam ein steinerner Tisch zum
Vorschein.

Zwischen diesem Gebäude und dem
Praetorium lag ein kleiner Kau (8 : 2,65 m)
mit zwei ungleich grossen Abteilungen, der
vielleicht als Kadekabinet diente, worauf
ein ziemlich dicker Wasserestrich schliessen
lässt.

Ein dicht hinter der Ostmauer befind-
liches Gebäude wurde schon im früheren
Bericht erwähnt. Leider fand sich keine
Inschrift wie im Ostkastell, welche das
Alter dieses Lagers bekundet. Doch bleibt
zu hoffen, dass das eingehendere Studium
der Kleinfunde einige Anhaltspunkte ge-
ben wird.

35 m vor der Nordostecke des Kastells
liegt die im Obergemauer mit Verputz etc.
noch auffallend gut erhaltene Badeanstalt.
Bis jetzt sind sechs rechteckige Räume
biosgelegt, von welchen zwei sich deutlich
als Kaltwasserbassins mit herabführenden
Stufen charakterisieren, einer durch seine
Lage und die Wandbänke als Apodyterion,
drei als Caldarium und Tepidarium. Die
Hypokausteneinrichtung der letzteren ist
nach Grösse, Form und Material der die
Kanäle bildenden Pfeiler etwas verschieden;
in dem einen Räume führen Wandkacheln
am Ende der Heizkanälchen die heisse
Luft direkt in das Zimmer. Die Wände
zeigen mit Mörtel ausgekleidete Durch-
löcherungen. Leider liegt ein Teil des
Gebäudes unter der verkehrsreichen Land-
strasse. Der gut erhaltene Abflusskanal
war mit Balken überdeckt, deren Träger*
einschnitte noch wohl erkennbar sind.
In demselben wurden viele Haarnadeln,
kleine Salbtöpfchen etc. gefunden und
zwischen ihm und dem Gebäude kleine
Bruchstücke eines ziemlich grossen Stieres
aus Sandstein.

K. Schumacher.

Mit dieser Nummer beginnt der dritte Jahrgang dieser Zeitschrift.

Fr. Lintz'sche Verlagshandlung in Trier.

Verantwortlicher Ilodaktour Trof. Hot tu er.
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