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Deutschland <Deutsches Reich> / Reichs-Limeskommission [Editor]
Limesblatt: Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission — 3.1894-1895

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https://doi.org/10.11588/diglit.8931#0048
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— 407 —

Limeslilatt.

— 408 —

ihm ab, um nach weiteren 47,5 m mit
einem sauberen, also nicht zerstörtem
Ende aufzuhören Da wo diese Linie die
eben erwähnte Abweichung nach aussen
beginnt, zweigt sich eine gleichartige Ab-
Btemung im spitzen AVinkel gegen den
Limes ab (vgl. Gliche S. 406), um dann,
nochmals einen Knick bildend, in gerader
Linie eine mittlere Richtung zwischen der
Mauer und dVr vorderen Absteinung ein-
zuschlagen Die hintere Absteinung tritt
in ihrem weiteren Verlaufe immer mehr an
die Oberfläche und ist wohl dieserhalb in
einer Entfernung von ca. 60 m von dem Ab-
zweigungspUnkte ausgebrochen und zerstört.
Zu bemerken ist, dass die Limesmauer hier
in gerader Linie Weiterläuft. Die innige Ver-
bindung beider Steinsetzuugen am Gabe-
lungspunkte macht es wahrscheinlich —
wenn auch nicht gewiss — dass beide
gleichzeitig angelegt worden sind. Beide
Abs'einungsstränge ruhen auf festem Un-
tergründe und sind nur 5—25 cm hoch
mit Waldbod' n überdeckt. Eine bestimmte
Erklärung dieser eigenartigen Anlage zu
geben, bin ich noch nicht in der Lage.
Jedenfalls wird der Zweck auf gromati-
schem Gebiete zu suchen sein. Vielleicht
bringen analoge Erscheinungen an anderen
Orten volles Licht.

Der ebenfalls schon im Frühling 1894
auf der Strecke Mönchsroth - Weiltingen
von mir vor der Limesmauer aufgefundene
uud im Limesblatt S. 802 fg. in Wort und
Bild genau veranschaulichte „Pfahlgraben"
wurde auch auf dieser Strecke Ellingen-
Kaidorf an verschiedenen Stellen freige-
legt, und zwar mit fast gleichen Profilen
wie dort und mit mehr oder weniger starken
Kohlen-Nestern, von angekohlten Pfählen
herstammend. So ist im Gemeindewalde
von Reuth a. W. der „Pfahlgraben" in den
schiefrigen Jurakalk steilwaudig einge-
halten ; an den Steilwänden oder auch mehr
gegen die Mitte, jedoch nicht auf der
Sohle desselben, stehen häufig grössere
Kalksteinplatten, unter und zwischen denen
solche Kohleu - Nester nahe beieinander
liegen'). Ahnlich ist der Befund auch

1) In einem Bolchen Kohlenneste, in ballier
Tiefe des Kanal* etwa 70 cm unter der überdache,
wurde die nebenstehend abgebildete Fibel aufgc-

am Zimmerplatz von Burgsalach und auch
in der Ackerflur „Gschwend" der Ge-
meinde Fiegenstall, wo in dem hier 120 bis
130 cm tiefen „Pfahlgraben" von Mitte zu
Mitte je 40 cm von einander entfernte ver-
kohlte Pfahl reste freigelegt wurden, zwischen
denen eine Terra-Sigillata-Scherbe lag.

Diese im Ackerfeld liegenden Pfähle
stehen 9 m vor der Limesmauer, während die
beiderseits davon im Walde „Gschwend"
(in einer seitlichen Entfernung von 70
resp. 370 Schritten) aufgefundene „Grenz-
versteinung 12 resp. 14 m vor der Mauer
liegt.

Hierdurch, wie auch durch die Ergeb-
nisse auf der Ackerflur „am Pfahl" süd-
westlich von Fiegenstall, sowie an meh-
reren anderen Stellen und im Walde „Brand"
bei Mönchsroth ist das gleichzeitige
Vorhandensein von Mauer, Pfahl-
reihe (Pfahlgraben) und Grenzab-
steinung sicher festgestellt.

Willi. Kohl, Apothekenbesitzer.

funden: sie ist G3 mm hoch, am Querbalken 4!) nun
breit. Hr. Prof. S c h u m a e h e r hatte die Freund-

lichkeit sie einer genauen
Untersuchung zu unter-
ziehen und uns folgende!
mitzuteilen: Die Fibel ist
eine sog Armbrusttibel mit
Xadelsehcido. ]tie Achse,
um welche sich die in die
Xadel Übergehende Spirale
windet, besteht aus einem
eisernen Stift, welcher
durch eine Durchbohrung
des oberen Bügelcndes ge-
schoben und beiderseits
mit kleinen Bronzeknöpf-
chen verziert ist. Der im
Querschnitt dreieckige Bü-

gel zeigt oben einen kleinen, gegossenen Knöpf und
auf der dachartigen Abschrägung beiderseits eine
sauber ausgeführte Zickzaekverzierung in Tremo-
lierstrich, welche sich auch auf der geschlossenen
Seite des Fusses fortsetzt. Dieser ist als Nadel-
scheido gebildet und unten offen. Bügel und FuSB
bestehen aus einer woissmetallähnlicheu Brome,
Spirale und Nadel aus gewöhnlicher Bronze.

Die Fibel gohört der von Tischler als D be-
zeichneten Klasse an (Katalog der Berl. praehistor.
Ausstellung S. 401) und bildet einen Vorläufer
der „ArmbrustÜbeln mit Xwiebolknöpfenu. Sie ißt
also in den Anfang des' dritten Jahrhunderts zu
setzen, da letztere schon in den jüngsten Schich-
ten der Limeskastelle, wenn auch noch wenig ent-
wickelt, zu Tago kommen. Die feine Cisolierung
des Bügels, welche auf den erston Blick eine ältere
F.ntstehung nahe legen möchte, kommt gerade bei
Fibeln dieser Gattung nicht selten vor (vgl. Tischler,
Beiträge zur Anthrop. und Urgesch. Bayerns IV
S. 77; die dort gegebenen chronologischen An-
gaben sind ungenau).

Verantwortlicher Kodakteur l'rof. Hettner.
 
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