Lüdemann, Wilhelm von
Neapel wie es ist — Dresden: P. G. Hilschersche Buchhandlung, 1827

Page: 42
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/luedemann1827/0056
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile

Leben und Sein der Neapolitaner.

Welch toller Sinn, der uns zum Aeußerſten
und an die Grenzen ſtets des Rechten treibt!
Iſis Ueberſchwang an Kraft und an Gefüht?
Iſts Mangel nur an Sitte und an Maaß?

Am andern Morgen, waͤhrend wir von unſerm
Laſtrico hinab, das wogende Meer Neapels zu
unſern Fuͤßen uͤberſchauten, ſprach unſer roͤmiſcher
Freund viel von den unterſcheidenden Zuͤgen in der
Denkweiſe, von dem Charakter und dem Lebenss
anſichten des Neapolitaners.

„Iſt der Bewohner dieſer uͤppigen Kuͤſte gleich
ſehr entfernt von der einfachen Biederkeit und der
ungeſuchten freundlichen Herzlichkeit des Roͤmers,
ſo iſt er doch bey weitem nicht ſo ſchlimm, als
man ihn oft gemacht hat. Die großen und Vor—
nehmen ſind, wie uͤberall, leichtſinnig und ver—
woͤhnt, durch die Leichtigkeit und muͤheloſe Suͤßig—
keit des Daſeyns; tiefes Gemuͤth iſt ſo wenig, wie
umfaſſende Bildung ein auszeichnender Zug ihres
Weſens: allein wenigſtens ſind ſie natuͤrlich und
loading ...