Lüdemann, Wilhelm von
Neapel wie es ist — Dresden: P. G. Hilschersche Buchhandlung, 1827

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„Solcher fluͤchtigen Poeſien,“ ſprach Car lo,
»deren kuͤnſtleriſches Verdienſt freylich nur gering
ſein mag, dichtet dieſes heitere Volk unablaͤſſig aus
dem Stegreif, und beſonders kenne ich bey uns
in Rom Tarantella-Saͤnger, welche halbe
Tage lang in Verſen dieſer Art fortzufahren im
Stande ſind, ohne ſich je zu wiederholen, oder
um einen neuen Reim in Verlegenheit zu ſein.«

Hiermit endete unſer heutiges Tagewerk und
einer der reichſten und ſeeligſten Tage eines un—
vergeßlichen Aufenthalts unter den Reizen der
Parthenope, war bis auf eine begluͤckende
Erinnerung fuͤr immer an uns voruͤber gerauſcht.

Kaͤmmen ihre ſchoͤnen Haare,
Schmuͤcken ſich, daß Gott bewahre!

Falſche Ringel, falſche Locken,
Machen ſchoͤn manch garſtgen Brocken.

Die nimmt Schnürleib, die das Leibchen,
O die wunderlichen Weibchen!

Faltig muß das Halstuch ſtecken,
um die Bruſt fein zu verdecken.

Eo wird nie die Welt veſcheiter,
Spricht die Tarantella weiter.
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