Lüders, Heinrich [Editor]
Bruchstücke buddhistischer Dramen — Berlin, 1911

Page: 17
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Das Blatt, dem die Fragmente I und 2 angehören und das, wie oben
bemerkt, wahrscheinlich einem anderen Werke angehört als die übrigen Frag-
mente, läßt trotz einiger Unklarheiten im einzelnen über den allgemeinen
Inhalt keinen Zweifel. Es enthält eine Szene, in der drei allegorische Ge-
stalten, Buddhi, die Weisheit, Dhrti, die Standhaftigkeit, und Klrti, der Ruhm, im
Gespräch miteinander auftreten. Das Bruchstück beginnt mitten in der Rede
der Buddhi: »Ich habe nichts zu tun mit demjenigen,« — so müssen wir etwa
ergänzen — »für den es nichts gibt, was aufzugeben wäre, obwohl die Leiden-
schaften (/f/FsG) die Existenz wieder herbeiführen, für den es nichts gibt, was der
Erkenntnis wert wäre, weder Beständiges noch Unbeständiges.« Dann fährt
sie fort: »An dem ganz der Ruhe Hingegebenen, der die Finsternis (hawü<?.sj
vernichtet hat durch die Strahlen., dessen Leidenschaft (raz/h-y) ge-
schwundenist . . . der dashöchsteUnsterbliche gewonnen hat, die schwer
zu erlangende Wahrheit, an ihm finde ich, die Weisheit, Gefallen«. Wie
diese Worte zu verstehen sind, geht aus der sich anschließenden Äußerung
der Dhrti hervor: »Gewiß, so ist es. Von meiner Macht umfangen ist das
Licht, das den Namen 'Mensch' trägt, offenbar geworden«. Mit diesem
»Mensch genannten Licht« ist sicherlich der Buddha gemeint, »der Dharma
in Menschengestalt«, wie er nachher heißt, der Mensch, der durch Stand-
haftigkeit die Erleuchtung erlangte, und ihn müssen wir daher auch unter
dem Besieger der Finsternis und der Leidenschaft, der das Unsterbliche er-
langt hat, verstehen. Es folgt eine Lücke. Dann dreht sich das Gespräch
zunächst um das gegenseitige Verhältnis von Weisheit, Standhaftigkeit und
Ruhm. Entweder die Buddhi oder die Dhrti sagt: »Dies ist ein im gegenseitigen
Abhängigkeitsverhältnis stehendes Paar. Denn bei wem die Weisheit sich
aufhält, bei dem faßt die Standhaftigkeit Fuß, und bei wem die Standhaftigkeit
sich niederläßt, bei dem breitet sich die Weisheit aus«. Die Klrti führt das
Gespräch weiter: »Wenn das der Fall ist, so ist für euch.« Jeden-
falls beansprucht sie für sich selbst einen Platz als dritte im Bunde. Dann
fährt die Buddhi fort: »So ist es. Und es heißt auch: Einem beständig
Schlafenden gleicht, wer keine Weisheit besitzt; einem beständig Trunkenen
gleicht, wem die Standhaftigkeit fehlt; einem . . . wer keinen Ruhm hat; . . . .
dessen Ruhm besteht.« Dann wendet sich das Gespräch wieder dem Buddha
zu. Die Klrti fragt: »Wo hält sich denn jetzt dieser Dharma in Menschen-
gestalt auf?« Die Buddhi erwidert: »Da seine übernatürliche Macht
unbeschränkt ist, so muß man eher fragen: »Wo hält er sich nicht auf?«,
und ergeht sich dann in einer Schilderung der acht des Buddha: »Er
wandelt in der Luft wie ein Vogel i), er schreitet.. ohne hängen
zu bleiben, dringt er wie Wasser^) in die Erde ein, er vervielfältigt seine
Gestalt, am Himmel läßt er einen Wasserstrom regnen und leuchtet zugleich
wie eine Wolke im Abendrot, wenn es ihm beliebt, schreitet er zu ... .

1) Ich ergänze ^<3^fy<z.
2) Ich ergänze 2f<7yay<3(Z.
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