Lüders, Heinrich
Philologica Indica: ausgewählte kleine Schriften von Heinrich Lüders ; Festgabe zum siebzigsten Geburtstage am 25. Juni 1939 dargebracht von Kollegen, Freunden und Schülern — Göttingen, 1940

Seite: 579
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Medizinische Sanskrit-Texte aus Turkestan

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denn ein Überschuß/ Die Wiederholung des zuerst negativ ausgesprochenen
Gedankens in positiver Form beschließt dann den Abschnitt: "Wenn (ihr)
aber diesen (Erlaß) voll berücksichtigt, werdet ihr den Himmel gewinnen
und eurer Schuld gegen mich ledig werden^)/

Medizinische Sanskrit-Texte aus Turkestan.
Die archäologische Durchforschung Ostturkestans hat für die Ge-
schichte der indischen Medizin bereits wertvolles Material geliefert. Auch
die Berliner Sammlung enthält ein paar medizinische Texte, die sich an
Umfang zwar mit solchen Funden wie dem Bower-Manuscript nicht messen
können, aber doch aus mehr als einem Grund von Interesse sein dürften.
Das erste Bruchstück, das ich hier vorlegen kann, ist ein Blatt aus
einer Papierhandschrift, das aus Tuyoq stammt, von derselben Stelle, wo
auch die Bruchstücke der späteren Handschrift der Kalpanämanditikä
gefunden sind-). Das Blatt ist 28,4 cm lang, 8,6 cm hoch und hat zehn
Zeilen auf der Seite. 8,8 cm vom linken Rande findet sich ein kleines Loch
für die Schnur. Leider ist das Blatt nicht ganz vollständig. Aus der Mitte
ist ein Stück herausgerissen, wodurch auf der Vorderseite die ersten 6 Zeilen,
auf der Rückseite die letzten 5 Zeilen verstümmelt sind. Im ganzen sind
dadurch gegen 100 verloren gegangen, etwa ein Zehntel des ganzen
Blattes. Auf der Rückseite, aber gegen alle Gewohnheit am rechten Rande,
steht eine zweizifferige Zahl, auf deren Deutung ich allerdings vorläufig
verzichten möchte. Die Schrift ist nicht zentralasiatisch, sondern dieselbe
indische Schrift wie in der Handschrift der Kalpanämanditikä, die zu-
sammen mit dem Blatt gefunden ist. Es gilt daher für den Ursprung der
Handschrift, der das Blatt angehörte, dasselbe, was ich Bruchstücke der Kalp.
S. 194 über die Herkunft der Handschrift der Kalpanämanditikä bemerkt
habe; auch sie muß etwa im 9. Jahrhundert von einem indischen Schreiber
geschrieben sein, aber wahrscheinlich in Turkestan, da in Indien in dieser
Zeit Papier wohl kaum schon als Schreibmaterial verwendet wurde.
Nach dem Kolophon in Z. 7 der Vorderseite stammt das Blatt aus einer
Handschrift derBheda-Samhitä. Über eineinTelugu-Charakteren geschrie-
bene Handschrift der Samhitä des Bheda oder Bhela, richtiger Bhela?
wie der Name später gewöhnlich lautet, hatte zuerst Burnell in seinem
Classified Index to the Sanskrit Manuscripts in the Palace at Tanjore,
S. 63^'ff. berichtet. Die Handschrift ist nach Burnell um 1650 geschrieben,
aber leider unvollständig. Anfang und Ende fehlen und auch im Innern
zeigen sich zahlreiche Lücken. Schreibfehler begegnen auf Schritt und
Tritt. Offenbar war schon die Vorlage in gänzlich verwahrlostem Zustand.
i) So in Dh.; in J. mit Umstellung der Glieder des Hauptsatzes.
'-) Die Fundstelle hat v. Le Coq, SBAW. 1909, S.1048L genauer beschrieben;
siehe auch Bruchstücke der Kalpanämanditikä, S. 194.
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