Lüders, Heinrich
Philologica Indica: ausgewählte kleine Schriften von Heinrich Lüders ; Festgabe zum siebzigsten Geburtstage am 25. Juni 1939 dargebracht von Kollegen, Freunden und Schülern — Göttingen, 1940

Seite: 526
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Zur Geschichte und Geographie Ostturkestans

Zur Geschichte und Geographie Ostturkestans.
Unter den Papierhandschriften, die Herr Prof, von Le Coq in Qyzil aus-
gegraben hat, befindet sich eine Anzahl von Blättern mit Formeln für die
sogenannten die Ixapitelverhandlungen, die mehr oder
minder genau den in Pali erhaltenen entsprechen. Die Mehr-
zahl der Blätter gehört wohl Handschriften an, in denen diese Formeln
gesammelt waren, wie ja auch im Pali Sammlungen der vor-
liegen. Die Blätter sind vielfach verstümmelt; manche Bruchstücke werden
sich aber wohl noch zusammensetzen lassen. Bisweilen sind auch Bruch-
stücke einer und derselben Formel in Resten verschiedener Handschriften
erhalten, so daß die Ergänzung möglich ist, und schließlich wird auch die
Wiederkehr derselben Wendungen und Ausdrücke in verschiedenen For-
meln die sichere Herstellung des verlorenen Textes gestatten. Jedenfalls
müssen diese Handschriftenreste im Zusammenhang behandelt werden.
Wenn ich trotzdem im folgenden ein paar einzelne Blätter veröffentliche,
so hat mich dabei nicht der Wunsch geleitet, eine Probe dieser Gattung
von Schriften zu geben. Ich teile sie vielmehr deswegen schon jetzt mit,
weil sie Angaben enthalten, die für die mittelalterliche Geschichte und
Geographie Ostturkestans nicht ohne Wert sind und daher allen, die sich
für die damit in Zusammenhang stehenden Fragen interessieren, zugänglich
sein sollten. Auf den eigentlichen Inhalt der Texte werde ich daher auch
nur insoweit eingehen, als es für das Verständnis jener Angaben notwendig ist.
Das erste Blatt (Nr. 1) stammt aus einer zierlichen Handschrift,
12,5 cm lang, 5,3 cm hoch. Die Blattzahl ist durch Beschädigung des
linken Randes verschwunden. Die Schrift ist im wesentlichen mit der des
Revisors der alten Dramenhandschriftd) und derjenigen der späteren
Dramenhandschriftidentisch. Ich möchte sie als den archaischen Typus
der nördlichen turkestanischen Brähmi bezeichnen. Von der späteren
Schrift unterscheidet sie sich vor allem in den Zeichen für y% und mu. In
der archaischen Schrift erscheint das alte dreiteilige yu mit einer meist
deutlichen Schleife am linken Ende. Die mittlere Vertikale ist oft etwas
nach links gerichtet und am oberen Ende nach rechts umgebogen; oft wird
diese Vertikale aber auch geteilt, so daß ein nach unten offener Winkel
entsteht. Beide Formen finden sich in dem vorliegenden Bruchstück
ebenso wie in der Dramenhandschrift nebeneinander. In der späteren
Schrift zeigt das yu drei gleichmäßige, nach rechts umgebogene Zacken.
Das archaische um- läßt noch deutlich den Zusammenhang mit dem alten
Brähml-Zeichen erkennen. Allerdings ist der untere Teil des Buchstabens
oft schon zu einer Horizontallinie zusammengeschrumpft, aber immer wird
die Feder doch noch zunächst von links nach rechts und dann zurück von

') Bruchstücke buddhistischer Dramen, S. 12ff.
2) Sitzungsber. d. Berl. Akad. d. Wiss. 1911, 8. 389; oben S. 191.
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