Lüders, Heinrich
Philologica Indica: ausgewählte kleine Schriften von Heinrich Lüders ; Festgabe zum siebzigsten Geburtstage am 25. Juni 1939 dargebracht von Kollegen, Freunden und Schülern — Göttingen, 1940

Seite: 721
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Das Zeichen für 70 in den Inschriften von Mathurä aus der Saka- u. Kusana-Zeit 721

bemerkt, anstatt seiner einen König des Südens, Udayana; im Nepäla-
mähätmyaQ, dessen Verfasser aus derselben Quelle geschöpft haben muß
wie Ksemendra und Somadeva, sind Gunädhya und Sarvavarman die
Panditas des Königs Madana von Ujjayani (27, 52). Ich will indessen
keineswegs behaupten, daß dies die ursprüngliche Darstellung sei, viel
wichtiger ist es, daß Lacote, Essai S. 26f. gezeigt hat, daß mit dem Pra-
tisthäna-Supratisthita wahrscheinlich ursprünglich gar nicht die Stadt im
Dekkan gemeint war, sondern eine Stadt in der Nähe von Kausämbl.
Dann wird es aber weiter wahrscheinlich, daß der König Sätavähana über-
haupt erst durch die Verwechslung jener Stadt bei Kausämbl mit dem
Pratisthäna an der Godävari in die Erzählung hineingekommen ist; wer
anders sollte denn in der berühmten alten Residenz der Andhra-Dynastie
geherrscht haben als ein Sätavähana ? Daß man nicht noch weiter gehen
und jenen schon an und für sich gänzlich unsicheren Sätavähana ohne alle
zwingenden Gründe mit Häla identifizieren darf, um daraus ein Datum
für Gunädhya und Sarvavarman zu gewinnen, braucht eigentlich kaum
gesagt zu werden. Ich stimme völlig der Ansicht von Winternitz Q zu, daß
die sogenannte kasmirische Tradition in diesem Fall ohne jeden Wert ist;
durch sie kann das oben gewonnene Ergebnis nicht entkräftet werden.

Das Zeichen für 70 in den Inschriften von Mathura
aus der Saka- und Kusana-Zeit.
In einem Aufsatz in der Epigraphia Indica Vol. IX, p. 241 ff., hatte
ich den Nachweis zu führen gesucht, daß ein gewisses, einem Andreas-
Kreuz ähnliches Zahlzeichen in den Mathurä-Inschriften der Kusana-Zeit,
das Bühler in seiner indischen Paläographie bald als 40, bald als 70 auf-
gefaßt hatte, ausschließlich 70 bedeute. Die Frage ist für die indische
Geschichte nicht unwichtig, da das betreffende Zeichen in dem Datum
einer in die Regierungszeit des muAüüsaAapa Sodäsa fallenden Inschrift
(Nr.59)3) vorkommt; je nachdem man den Zahlwert des Zeichens ansetzt,
Jayaratha, wo die Geschichte in Kap. 27 im Anschluß an Somadeva erzählt wird,
und die Kätantrakaumudi, die nach Bühler, Detailed Report, S.74, beginnt:
waMwi %u?a i/uA -samürüdAt/a I
NaMcüüabwa -htb/ana w/adAüf ] j
Auch die Erzählung Al-Berünls (I, 136 der Sachauschen Übersetzung) geht, wie der
Zusammenhang, in dem sie erscheint, deutlich verrät, auf eine kasmirische Quelle
zurück. Al-Berünl erwähnt den Sätavähana, nennt aber den Mahädeva als Offen-
barer des Werkes, mit dem nach seiner Darstellung das Studium der Grammatik
überhaupt erst begann.
Q Lacote, Essai sur Gunädhya et la Brhatkathä, S. 291 ff.
Q Geschichte der indischen Literatur 3, 313f,; 397.
3) Die Nummern der Inschriften beziehen sich hier und im folgenden auf meine
List of Brahmi Inscriptions.
6402 Luders, Kleine Schriften

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