Maeterlinck, Maurice ; Oppeln-Bronikowski, Friedrich von [Transl.]
Der Schatz der Armen — Florenz , Leipzig, 1898

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ilence and Secrecy"! ruft Carlyle aus,
ihnen müsste man Altäre allgemeiner
Anbetung errichten, — wenn man in
unsrer Zeit überhaupt noch Altäre
errichtete. Das Schweigen ist das
Element, in dem sich die grossen
Dinge bilden, um zuletzt, vollkommen
und majestätisch, empor zu tauchen
an das Licht des Lebens, das sie be-
herrschen sollen. Nicht nur Wilhelm
der Schweigsame, nein, alle bedeuten-
den Menschen, die ich kennen gelernt
habe, und aueh die schlechtesten Di-
plomaten und Strategen unter ihnen,
enthielten sich stets des Schwatzens über das, was sie planten und
schufen. Und auch du, versuche doch in deinen armen, kleinen Nöten
nur einen Tag, deine Zunge still zu halten - und wie viel klarer
werden dir am nächsten Tage deine Pläne und Pflichten sein! Welche
Trümmer und welchen UnHat haben doch diese stummen Arbeiter in
dir weggefegt, während der unnütze Lärm der Aussenwelt nicht mehr
eindrang! Das Wort ist nur zu oft, nicht wie der Franzose sagte, die
Kunst, die Gedanken zu verbergen, sondern die Kunst, sie aufzuheben
und zu ersticken, so dass gar nichts zu verbergen bleibt. Auch das Wort
ist gross, aber das sagt nicht, dass es nichts Grösseres gäbe. Wie die
Schweizer Inschrift es bestätigt, ist Reden Silber, aber Schweigen
Gold, oder besser gesagt: das Wort gehört der Zeit, das Schweigen der
Ewigkeit an. „Die Bienen arbeiten nur in der Dunkelheit, der Gedanke
arbeitet nur in der Stille und die Tugend im Verborgenen" ...
Man glaube nur ja nicht, das Wort diene den wirklichen Mitteilungen
zwischen menschlichen Wesen. Die Lippen oder die Zunge können
die Seele nur darstellen, wie z. B. eine ZilTer oder eine Katalogsnummer
ein Bild von Memlinck darstellt; aber sobald wir uns wirklich etwas zu
sagen haben, müssen wir schweigen; und wenn wir in solchen Augen-
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