Moholy-Nagy, László
Malerei, Fotografie, Film — Muenchen, 1927

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DAS SIMULTANE
ODER POLYKINO

Man müßte ein Kino bauen, das für verschiedene Versuchszwecke hinsichtlich
Apparatur und Projektionsfläche eingerichtet ist. Es ist z. B. vorstellbar, die
übliche Projektionsebene durch einfache Verstellvorrichtung in verschiedene
schräg lagernde Flächen und Wölbungen zu gliedern, wie eine Berg«Tal< Landschaft,
der ein möglichst einfaches Teilungsprinzip zugrunde liegt, um die Wirkung der
auf ihr erfolgenden Projektionszerrung beherrschen zu können.

Ein anderer Vorschlag zur Umänderung der Projektionsflächen wäre: an Stelle
der heutigen viereckigen eine kugelsegmentförmige. Diese Projektionsfläche muß
einen sehr großen Radius, also sehr geringe Tiefe haben, und für den Zuschauer
in einem Sehwinkel von ca. 45° angebracht werden. Auf dieser Projektions«
fläche sollen mehrere (bei den ersten Versuchen vielleicht zwei) Filme gespielt
werden, und zwar nicht auf eine feste Stelle projiziert, sondern kontinuierlich
von links nach rechts bzw. von rechts nach links, von unten nach oben, von
oben nach unten usw. laufend. Bei diesem Verfahren lassen sich zwei oder
mehrere erst voneinander unabhängige, später bei ihrem berechneten Zusammen«
treffen einander sinngemäß deckende Geschehnisse darstellen.

Die große Projektionsfläche hat auch den Vorzug, einen Bewegungsvorgang,
sagen wir den eines Autos, von einem Ende zum anderen mit größerer Illusion
darzustellen (Bewegung in der zweiten Dimension) als die jetzigen Projektions«
flächen, auf welchen immer ein Bild fixiert werden muß.

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