Moholy-Nagy, László
Malerei, Fotografie, Film — Muenchen, 1927

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FOTOGRAFIE
OHNE KAMERA

DAS „FOTOGRAMM“

Praktisch läßt sich diese Möglichkeit folgendermaßen verwerten: man läßt das
Licht durch Objekte mit verschiedenen Brechungskoeffizienten auf einen Schirm
(fotografische Platte, lichtempfindliches Papier) fallen oder es durch verschiedene
Vorrichtungen von seinem ursprünglichen Weg ablenken; bestimmte Teile des
Schirmes mit Schatten decken usw. Dieser Prozeß kann mit oder ohne Apparat
vor sich gehen. (Im zweiten Falle ist die Technik des Verfahrens die Fixie«
rung eines differenzierten Licht« und Schatten«Spiels.)

Dieser Weg führt zu Möglichkeiten der Lichtgestaltung, wobei das Licht
als ein neues Gestaltungsmittel, wie in der Malerei die Farbe, in der Musik der
Ton, suverän zu handhaben ist. Ich nenne diese Art Lichtgestaltung Fotogramm.
(Siehe S. 69 bis 76.) Hier liegen Gestaltungsmöglichkeiten einer neu eroberten
Materie.

Ein anderer Weg des Ausbaues zur Produktion wäre die Untersuchung und
Verwendung verschiedener chemischer Mischungen, welche für das Auge nicht
wahrnehmbare Lichterscheinungen (elektro«magnetische Schwingungen) festhalten
können (wie z. B. die Röntgenfotografie).

Ein weiterer Weg ist der Bau neuer Apparate, erstens mit Benutzung der Camera
obscura, zweitens bei Ausschaltung der perspektivischen Darstellung. Apparate
mit Linsen« und Spiegelvorrichtungen, die den Gegenstand von allen Seiten
gleichzeitig umfassen können, und Apparate, die auf anderen optischen Gesetzen
aufgebaut sind als unser Auge.

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