Naegele, Anton
Die Heilig-Kreuzkirche in Schwäbisch-Gmünd: ihre Geschichte und ihre Kunstschätze — Schwäb. Gmünd, 1925

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Einleitung.

n öem strahlenden Kranz, öer das Kernland des mittelalterlichen Schwabens mit Vom Sinn n.
gotischen Münstern wis mit einem bräutlichen HalsgeschmeiLe umsäumt, bilöet eines
öer kostbarsten Kleinodien öie Hl. Kreuzkirche von Gmünö. Ihr ehrwüröiges Alter, ihr
mächtiger Umfang, ihre kunstvolle Zierat stellt öie Pfarrkirche öer ehemaligen Reichsstaöt
öen größten mittelalterlichen Bauwerken Württe?nbergs ebenbürtig an öie Seite; ja sie überragt
öas Nünster in Alm (lZ77) an Alter, öie Narienkirche in Reutlingen unö öie Irauenkirche
in Eßlingen übertrifft sie wenigstens an Amfang. Das niächtigste kirchliche Bauwerk lüieöer-
schwabens ist seit balö sechs Iahrhunöerten öas Wahrzeichen öer Staöt Gmünö, öer Stolz
öer Bürger, öie Stätte öes Gebets unö Opfers, ein Sinnbilö öer eheöem alle einigenöen
religiösen unö bürgerlichen Gemeinschafü eines öer herrlichsten Denkmäler kultureller Hochblüte
im öeutschen Bürgertum. Was Kunstsinn unö Gpferwilligkeit inmitten öer kleinen Reichsstaöt
einst geschaffen, finöet heute nicht bloß als stummer Zeuge vergangener Herrlichkeit Wertung
unö Bewunöerung. Die Gotik gilt wieöer vielen, öie an anöeren Altären beten, fern öen
Vuellen, öie öen Strom öes neuen, Deutschlanö seit öem fünfzehnten Iahrhunöert öurch-
flutenöen Kulturlebens gespeist haben, als „höchste Leistung öes germanischen Nenschen",
als „Auswirkung seines besten Wesens"/ als Künöer höheren Nenschentums, höchsten religiösen
Erlebens, als Verkünöer öeutscher Kraft, ein versteinertes Zui^um coräa, ein Wegweiser
für öen Bürger zweier Welten.

Nahe öer Wiege unö öer Grabesstätte öes herrlichen Staufergeschlechts hatte öie junge Geistige

Hohenstaufenstaöt öem religiäsen unö kulturellen Aufschwung öer Kreuzzugszeit nicht lange Stromungen

an üer Wiege

ihre jüngst erbauten Nauern verschlossen. Im Wanöel öer Zeit unö ihrer geistigen Streb- Gotik.
ungen unö Strömungen, öie öurch vier oöer fünf Generationen in öem ernsten, wuchtigen,
öämmerlichtigen Bau öer romanischen Iohanniskirche ihre Befrieöigung gefunöen hatten,
erfaßt öie nächsten Geschlechter ein neuer Strom religiösen unö künstlerischen Empfinöens,
öer Zug zum Tichten, Zreien, Kühnen, öer Trieb nach Bergeistigung öes Bauwerks, nach
Entstofflichung öer lastenöen Steinmassen. Ueber öen Rhein her weht öer frische Hauch eines

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