Naegele, Anton
Die Heilig-Kreuzkirche in Schwäbisch-Gmünd: ihre Geschichte und ihre Kunstschätze — Schwäb. Gmünd, 1925

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Sebalöuskapelle unö öen Treppenturm eingeengte Zenster verewigt öie köstliche Geschichte
von öen zehn Wunöertulpen öer Kollegiatstiftszeit mit öen Wappen öer zehn Kanoniker.

Wohl mögen öie meisten öieser gemalten Glasfenster etlichen praktischen Zwecken, wie
srommer Erbauung unö Lrzeugung von Lichtesfekten im Wechsel öer Tageserscheinungen
genügen, aber sie können ihren Ursprung in öer Zeit öes Tiefstanöes öer Glasmalerei nicht
verleugnen, öa sie nach öer „Butzenscheibenära" erst wieöer in öie Technik öer alten Neister
sich hineinzulernen anfing. Diese neuen Kirchenfenster halten keinen Bergleich mit öer
Tarbengebung unö Zeichnung öes einzigen altöeutschen, „geschmelzten" Sebalöfensters aus.
Die breitflächige Behanölung öer Glastafeln, öie völlige blebertragung öes Tafelbilös unö
Wanögemälöes auf öie vier- bis sechsfach geteilten Züllungen öes Stabwerks wirkt, ganz
im Wiöerspruch zum gotischen Prinzip, wie eine geschlossene schwere Wanö, welche öie
Gotik ja auflösen wollte — nicht öie einzige Berkennung ihrer Baugrunösätze im neunzehnten
Iahrhunöert. Nicht allein an öen moöernen Kölner Domfenstern wirö uns öer Wesens-
unterschieö zwischen einst unö jetzt geraöe auf öiesem Kunstgebiet klar zur Anschauung
gebracht: Die alten Neister malten mit Glas, öie neuen malen auf Glas? '^

Die nach Pfitzers Bemerkung immer wieöer erhobene unö selbst heute nicht völlig
verstummte Frage, ob öie Hl. Kreuzkirche je mit einem Turm versehen gewesen sei, fanö
schon bei öieser zweiten Lrneuerungsarbeit eine monumentale Beantwortung unö bei öer
öritten ihre enögiltige Lntscheiöung. Der Ausbesserung öes schaöhasten Plattenboöens ini
Schiff unö Lhor mußte öie Lntfernung öer Hunöerte von Wagen Flußsanö vorangehen,
welche öie Lrhöhung öes Niveaus vom Lhorumgang (in öer Höhe öes Außenboöens) unö
öamit öer protzigen Barockaltäre bewirken sollten. aber nur öie schönen Säulenfüße ver-
öeckten. Diese Arbeiten sührten zur Lntöeckung öer ersten Spur von §unöamenten öer
beiöen Dsttürme, öie ungefähr öen Platz öer heutigen Sakristei unö Sebalöus- bzw. Tauf-
kapelle einnahmen. Db sich öiese ursprünglich über öen First öes Dachs unö öen heutigen,
von Pfitzer also betitelten „ganz oröinären Dachreiter" erhoben, ließen öie 2lusgrabungen
nicht erkennen, hächstens, wie öer Augenzeuge öerselben meintst'" verneinen. Auffallenöerweise
übergeht öer Berichterstatter bei seinem sonstigen Interesse für öie Turmfrage in seiner
schriftlichen wie in öer geöruckten Aückschau völlig öie Pläne unö Arbeiten K. A. Heiöeloffs,
weshalb ich um so mehr mich berechtigt glaubte, einige Briefe öes großen Kürnberger Bau-
meisters unö seinen Gmünöer Alünsterturmplan hier erstmals mitzuteilen. Ieöes ist ein
Denkmal romantischer Begeisterung unö romantischer Auffassung öes gotischen Schönheits-
iöeals, öer „Turmriß" ein trotz mancher Nängel rühmenswerter Lntwurf.

Die gesamten Kosten öer großen Kirchenerneuerung seit öer Nitte öes neunzehnten
Iahrhunöerts erfahren wir nach öem „Lonto" vom Iahr l874. §ür öie Arbeiten am
Aeußern beliefen sie sich auf 6O.OO0 fl, sie wuröen ausschließlich aus öen Nitteln öer

Wert und
ünwert
der neuen
Kirchenfenster.

Spuren öer
alten Türme^

Kosten
der großen
Kirchen-
erneuerung.

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