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(Elftes Kapitel. (Einleitung.

felbft ober eine Bretterfcfyalung oöer eine ^tegellage, auf welcher öie eigentliche Dachöecfung ruhte. Soroob/l
für öie römtfehen Sauten als für öie früfycfyriftltdjen l^irdjen roirö von öen "Kutiftforfchern angenommen,
öag öie Dachfonftruftiou nur ausnarjmsroetfe fidjtbar geblieben fei, öaf öurdjaus öie Hegel eine fyov'u
5ontalc Dede gebilöet habe1). Die Bauten ^entrakSYrtens machen jcöenfalls b,ier eine 2lusnarmie; fie
finö, roie es fdjetnt, alle oljnc Decfe unter öem Dache geblieben, Hbcr and} frütjcfjrtftlicfjc Bauten 3taltens
mögen öfter als mau öas sugeben will, öie Dacbfouftruftion fiebtbar gelaffen haben.

<&an$ anöerer Hrt als öie römifef/e lyouftruftiou ift öie öes germanifchen Daches. Sie ift im
(Begenfat; 3U jener am i^ol$bau ausgebilöet. Scfjon Semper2) b,at öie pritt3ipieHe Derfdncöenheit öes
römtfehen Dacf/roerfs von öem öer mittelalterlichen tjo^fireb/en Zcorroegens betont. <£r b/at aber, roie
übrigens aud? alle fpäteren Tutoren, öie fid) mit öiefen iutereffanteu Bauroerfett befdjäftigt haben, nicht
gefeb,cn, öafj öas Xonfh'ufnonsPrm5'-P iijvcs Dadiroerfs ein gemeingermauifdjes ift. Das Dadnr>crf öes
germanifchen l)aufes seigte in feinen (Sefpärren feinen Balfen, roie er in öett (Sebinöen öes römifdien
Dadjrocrfs porhanöen ift, um öen Sdnib öer Streben aufjunefmten, fonöeru, roie im Dad) öer Stabfird]en
Horroegens (2tbb. 5)3), festen öie Sparren auf öem oberften roageredjten tjolj öer H)auö, öem Halnn öes
^adjrocrfs, auf (cf. Hbb. 9). £s uerftelü ftcf? r>on felbft, öafj öie parallelen itt folcfyer IDeifc beaufprucr/teu
IPänöe öes fjaufcs bei größerer £äuge auf er bind} öie ©icbelroänöe öureb, Hnferbalfcn jufammengehalten
roeröen mufjten, öie fief? aud? in öen Stabfircb/en finöcn unö im urtümlichen germanifchen Jjaufe porb/anöcn
geroefen fein müffen, roie fie öenn nod? an piel fpäteren ^acJyrocrfbauten »orfommen.

Die <£ntroicflung öiefes eigentümlichen Dacb/rocrfs in roeit 3urücfliegenöen fetten ift roob,! ju über-
fet/en. (£troa bis 311m Ausgange öer Hteroroingei^eit, üielfacb, aueb, roob/l nodj länger, in Sfanöinar>icu

bis ins ZTCittelalter hinein, ftellte öas ftets gezimmerte germanifche
i)aus einen Sinraum öar, öeffen Hbfchluff nadj oben öas Sparren*
roerf öes Dadjes bilöete. Das beroeifeu noch crljaltette Bauten unö
öie £iteratur öer Saga für Sfanöinapien unö J5^1^'4), für öie
Stämme öer ^ranfen unö Alemannen öie (Sefe^esfammlüngen; für
öie £)äufer öer Sact/fen gebt aus öem Ejelianö roenigftens fo viel
herror, öafj eine Decfe noch nicht öen unteren fjausraum com Dadj
trennte, roenn öie (Eiuräumigfeit aud] nicht fieb/er be3eugt ift.5) Die
leges Bajuvariorum geben uns über fokb/e allgemeinen Hnöeutungeu
hinaus einige rocitere Hnhaltspunfte für öie Porftellung öes fjaufes
einer fo frühen <3eit. <£s finö im roefentüdjen nur öie Mon. Germ.
Hist. Legum T. III p. 308 u. 30g, X 5 —14 abgeörueften, oft an*
ge3ogenen Strafbeftimmungen. ^ür öie "r\onftruftion öes Daches ift
öaraus aber roenig mehr 3U entnehmen, als öafj ^irftfäulen 3U feiner Unterftülmng porhanöen roarett, öeren
<5erftörung mit öem höchften Strafmafj belegt roirö, unö öie alfo pou grofer Beöeutung für öas £jaus
geroefen fein müffen. Da 7) r>ou ea columna a qua culmen sustentatur, quam firstsul vocant, 8) pon
interioris aedificü illa columna, quam winchilsul vocant, 10) pon exterioris ordinis columna angu-
laris in öer <£irt3aEjl gefprodjen roirö, roährenö pon öen anöeren l^öbjeru in öer HTeb^ahl öie Heöe ift, öie
unter 8 unö 10 befprod^enen <£cfftänöer am fjaufe aber mehrfach porfommett müffen, fo ift 5unächft fein
(Brunö porhanöen, roie öas ftets gefefneht, nur eine ^trftfäule poraus3iife^eu. IPir möcbten eher in öiefem
^alle öeren 5roei unö ein JDahuöach für öas Dom (Sefetje be5ielte l)aus annehmen. Diefe ^irftfäulen finö
fetjr alter £jerfunft. Sie roeröen febon, unter anöerem Hamen, öeren ja aus früherer ^eit mehrere über*
liefert finö6), je eine porhanöen geroefen fein in öen fegeiförmigen öen heutigen lyöhlerhütten etroa ähnlichen
glitten öer Urzeit, fobalö öiefc etroas gröfer roaren; unö roeiter roeröen fie in öer Hütte öer älteften fjäufer
geftanöen haben, öie fid} aus öen £)ütten entroicfelt hatten, unö öeren <geltöad} \d}on auf einem quaörattfcfjen
Unterbau auffegte. Sie roaren in öie (£röe gepflatt3t unö gingen öureb, bis 3ur Spi^e öes i?>eltbad}cs, roo
öie Sparren gegen fie anfielen. Sie roaren audj nod? notroenöig, unö 3roar öeren sroei für öas f^aus, öie

\) Semper, Der Stil, t. II p. 3\7sq. unb ^ol^iuger, 2l(tcbriftliii;c Zlrdjiteftur, p. 52sq.
2) 1. c t. II p. 520.

5) Dou 6er Kirche 51t Boriutuo nad; Dietrtdjfott unb lltuutbc, Die ßoljbaufunft Hortnegens p. 5. 3ei;
habe in ber ^eidiuuug bie Köpfe ber 2luferbalfen, bie tatfäcijlidj außen fidjtbar iperbeu (cf. ibid. p. 8), rjiii3ngefügt.

4) Dictridifou unb ZItuntt)e( 1. c. p. 36 unb p. \0\sq., roo anf (Subinuubsfou certpiefeu roirb.

5) cf. Penning, Das beutfdie Baus, lievne, IDo^nungstDefen unb Stepliatti, Der ältefte beutfdje Jüolinbau.
()) Rcyne, 1. c. p. 27.
 
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