Ostendorf, Friedrich
Die Geschichte des Dachwerks: erl. an e. großen Anzahl mustergültiger alter Konstruktionen — Leipzig [u.a.], 1908

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(Erfies Kapitel.

(Einleitung.

<3tr>ei Quellen voxvb man für 6ie Verleitung öer T^onftruftiou öes mittelalterlichen Dachroerfs an-
nehmen müffen, eine germanifdje unö eine rSmtfdje. Das einfache Dachwerf öes urtümlichen germanifchen
£}aufes unö öas an mächtigen Saal» unö Cempelbauten ausgebildete öer Hömer finöeu in ifnu ihre <£nt*
wieflung oöer ^ortfe^ung. tDär/renö öie ^läcf/en öes römifdien Dadjes eine geringe Heigung jeigten, mar
öas öes germanifchen £jaufes im allgemeinen ein fteileres, mie öenn ein folcftes allein fdjon öie Dorftufe
öes Kaufes, öie £}ütte bildete, öie öer heutigen Köfylcrhütte äbnltcb genug gewefeu fein mag. JDie es
fcf/eint, t?at fidi pom römifeben Dachwerf felbft auf unfere §ett nichts herüber gerettet. Die wenigen bier unö
öa erhaltenen Spuren unö öie fpär-
liefen unö nid/t immer flaren fd]rift= 1
liehen Überlieferungen1) über öiefc
JTTaterie würöen uns auch nicht 511 *
einer gefiederten Porftellung r>on öer
2lrt unö (Scftalt öiefer l^onftruftioucu
r>erb,elfeu, wenn nicht öie Bauten früh*
d^riftlicf/er ^eit unö öie in öiefer Hier;«
tung pon öer Baufunft ^ranfreict/s
unö Deutfd}lanös faum beeinflußten
mittelalterlichen Bauten 3taltens Hücf-
fd]lüffe auf öas romifdje Dachwerf ge-
ftatteten. Danach finöen wir öiefes
jufammengefefct aus fyöljernen Dad)-
gebinöen2), öie etwa \,5—5,5 m unö
noch weiter Doneinanöer entfernt finö,
unö öie auf öer Litauer ohne Unter«
läge einer fogeuannten iTtauerlatte
aufliegen. Sie werden nicht niel anöers
ausgebildet gewefen fein, wie öie öes ttaltenifcben iltittelalters, von öeueu öie 2lbb. \ bis 4 Beifpiele geben.
i£s finö einfadie "fvcmftn'fticmt;" gewefen, öie aber, wie öas auch fpäter in 3taüen gefrf?ab, bei fleinen
unö großen Perhältniffcn in niebt febr perfd]ieöener ^lusbilöung aber mit peränöerlidjer l^oljftärfc an*
gewandt wuröen, audj fie fdjeinbar öem (Scfetje öes relatioen JITafjftabcs jener Baufunft unterworfen.
€s perfteht fidj öabei t>on felbft, öaß bei beöeutcnöercn Dadjbreiteu öie froher foloffale Dimenfiouen cr-
halten mußreu. 2luf öeu Streben öer ©ebinöe lagen entweder Pfetten 51a- Aufnahme dünner Sparren
öanu fonute öie (Entfernung öer (Sebinöe größer fein — oöer horizontale Satten — öann mußte fie Meiner
fein. Die Dachwerfe öer im 5. unö 6. 3ahr^un0er* entftanöenen >vird)en Zentral* Syriens8) waren, wie
öie Spuren jeigen, durchweg öer legieren 2Xrt. 2tuf Sparreu oöer Satten lag öie Dachhaut, öie Dadjöechmg

\) Choisy, L'art de bätir cbez les Romains p. sq. imb Choisy, Histoire de l'architecture t. I p. 53(sq.

2) Dodffonftrufttonen aus Brenge, wie bereit eine über ber Povb;alle bes pimtfyeou rcrliaubcn u>ar, bie erft 311
Anfang bes \7. 3"l!rt]uiiberts gerftört mürbe, uns aber t»enigftens in einer <getd;miug Serltos — Sebastiani Serlii de
architectura libri quinque, Veneiiis \56<) 1. III p. 85 — erlialteu geblieben ift, werben nid;t alljti tjäufig mtb nur für fet|t
bebeuteiibc Bauten ausgeführt morben fein.

3) M. de Vogue, Syrie centrale.

(Dftenbovf, b\? (Peidm-Mi* fces X>ad}tt>erfe. |
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