Ostendorf, Friedrich
Die Geschichte des Dachwerks: erl. an e. großen Anzahl mustergültiger alter Konstruktionen — Leipzig [u.a.], 1908

Page: 166
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fünftes Kapitel. Die Konftruftion ber pult;, XOalm- unb geltbäd^er.

Xre^gangöacr; öie itnorönung am füölidjen Bau öes T^Iofters 2fmftcin —), oöer eifeme, oft von einem
}(ragftein unterftütste f}afen (ttbb. 257 com urfprünglicb/en SeitenfcfjiPacb/toerf öer 2Tfarienfircr/e in Cübecf),
roeld? leitete befonöers häufig für fleine pultöäcfjer im Befeftigungsbau (5. B. auf 6er IDilöenburg im
SDöenroalö unö auf öen Burgen Heicf/enberg unö ZHaYen) Derroenöung fanöcn, an öer IDanö feft-
gehalten rouröe.

21Tuf|ten bei etroas größerer Spannroeite öie Sparren unterftüijt roeröen, fo fonnte öas öurcf?
fd?räge Streben von einer Pfette an öer BTauer oöer von öen Balfen eines etroa r>orb?anöenen (Sebälfes

aus gefcf?ef?cn, gefd?al? aber aucf? öurd? }(cb/lbalfcn, für öie 6ann
freilief?, öen Sparren entfpred?cnö, befonöere Stiele an 6er IDanö
aufgeftellt roeröen mufften, oöer gar öurcf? l(ef?lbalfcn unö Streben.
Die letztere 2Xrt jeigt öas Seitenfd?ifföad?roerf öer }(Iofterfircf?e in
Pelplin, r>on öeffen öurdjaus gleidj gcbilöetcn in einem 2fbftanöe
ron ca. m liegenöen (Sefpärren 2fbb. 258 eines öarftellt.1)
XDie im 2Toröoften Deutfd?Ianös beim SatteIöad?roerf öic ältere
Xonftruftion aus gleicf?gebilöeten (Sefpärren fief? öer fpäteren
Binöerfonftruftion gegenüber bis lange über öas <£nöe öes
IHittelalters hinaus öurdjaus behauptet tjat, fo ift öa aucf? öas
PuItöad?roerf übertuiegenö in folcf? einfacher 2frt fonftruiert rooröen.

3m JDeften fommt öiefe Bauroeife aucf? öas gan5e 2Tüttcl-
alter f?inöurd? nod? oft genug cor. Daneben aber finöen fief?,
je roeiter öic <^eit corrüdt, um fo läufiger, 5umal unter öcn Dacf?»
roerfen breiterer Seitenfdjiffe, aud? fold?e mit Binöern, roeldje
Pfetten für öie Itnterftüf^ung öer Ceergefpärrc unö für eine toirf-
famere Stängsoerfteifung aufnehmen; toie öenn überhaupt öiefes
Pultöad?roerf naturgemäß feine felbftänöigc fintuncflung öurd)-
gemad?t f?at, fonöern aus öcnfelben (Elementen, öie jeweilig öic
Xonftruftton öes Sattelöacf?t»erfs btlöen, sufammengefetjt unö alfo
üon jenem abb?ängig erfcf?eiut. 2fbb. 260 ftellt öen Binöer eines
Pultöad?es oon ungeroöf?nlid? grofer Spannroeite öes freilief? nicfjt mef?r urfprünglidjen2) aber r>ielleicf?t
nod? mittelalterlichen Dad?roerfs über öem Scitenfd?iff r>on St. Filarien in Cübecf öar. So tritt er in
jcöem öritten (ßefpärre auf. 2tuf einem ftarfen Balfen fteb/en 5tr>ci Säuleu, r>on öenen öie äufjere eine

Pfette für öie l{ef?lbalfen, öie innere,
öie öurcf) eine Strebe geftü^t roirö,
aber sroei Pfetten trägt, eine obere,
auf öer öie Sparren felbft aufliegen
unö eine anöere in öer 2TUtte etroa
if?rcr £jöf?e, in öie öic }(ef?lbalfeu
ge3apft rooröen ftnö. Die Säulen finö
mit öen pfetten unö öem Binöer-
fef?Ibalfen öurcf? Büge oerbunöcn.
Die £cergefpärre 5eigen öen "r\eb?b-
balfen unö einen ausgeroecf?felten
Balfcuftumpf. I(af?e öer £jod?fd?iff-
jibb. 260 u. 26\, maucr liegt 3roifd?en öen Binöerbalfcn

ein anöerer JDedjfel unö öiefer roirö — unö mit ib?m öas ganse Dacfjrocrf — öurcf? ftarfe eiferne 2tnfer
an öer ITfauer feftgefjalten.3)

3m Süöen Deutfcfjlanös finöen fid? in öen Dadjroerfen öer Seitcnfd?iffc natürlid? öie öort f?ei-
mifd?en "Konftruftionen öes cerftrebten fteb?enöen unö öes liegenöen Stuf?les. 2fbb. \3\ seigt öen Binöer

\) Der biuberlofen 2Irt bes Settenfcr/iffbad)roerfs gehört aud] basjeuige an, bas Wilars de Honecort in fein
Sfi33enbudj (pgl. oben 5. {57) ge3eidjttet b,at, unb unter tneldjes er gefd;riebeii b,at: „Vesci le carpenterie d'une fort acainte".
21bb. 2^0 gibt and? biefe SUfäe tnieber.

2) Sie 2InfoUsIinte bes urfprüttglid;en Dadjmerf«, für tneldje bie in 2tbb. 257 bargeftetlten eifernen fjafen, bie
eine nodj cortjanbene pfette tragen, beftimmt maren, lag etmas tiefer.

3) Die obere bie Sparreu tragenbe pfette ift ntdjt etroa dou ber Kouftruftiou bes pfettenbadjroerfs übernommen,
fonbern entfprid]t ber auf Ejafenfteiueu au ber ntauer feftgelegtcu pfette, auf ber bie Sparren fonft ein 2luflager fiubeu.

Jlbb. 258.
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