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Petersen, Eugen
Die Burgtempel der Athenaia — Berlin, 1907

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https://doi.org/10.11588/diglit.934#0064
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IV. Erechtheus — Poseidon. 61

IV. Erechtheus—Poseidon.

Wer war denn nun aber der Tempelgenosse der Göttin im
Urtempel, Erechtheus? Die verbreitete Vorstellung vom „Korn-
Erechtheus" ist scharfsinnig und gelehrt von A. Mommsen zu-
erst in der Attischen Heortologie, dann in dieses Buches Neu-
bearbeitung, 'Feste der Athena' aus- und an der Folge der
Athenafeste durchgeführt. Sie geht von jenem pseudohomerischen
rixe dt Keiömgog ägouga (oben S. 7) und den Namen des
Erichthonios und seiner Pflegerinnen aus. Es kann aber nicht
entgehen, daß bei jener Durchführung des Gedankens das meiste
hinzugetan, nicht aus der Überlieferung selbst gewonnen ist.
Jene Erdgeburt ist nicht das Korn, sondern der Autochthone,
für den das leicht übertragbare Saatkorn ein schlechtes Symbol
wäre. Überdies ist der Autochthone bereits nicht mehr der
Daemon, dem ein Kult dargebracht wird, sondern schon zum
Heros und Menschen geworden. Den Ursprung des Erechtheus
haben wir vielmehr zu suchen und sein Wesen zu erkennen an
der heiligsten Stelle seines Kultes, die bei jener Deutung so
völlig außer acht gelassen wird, bei dem vom Dreispitz ge-
zeichneten Fels und dem stets damit verbundenen Brunnen.
Gehen wir von dessen meistverbreiteter Auffassung aus.

Als Poseidon das Land in Besitz zu nehmen kam, erhob
sich zwischen ihm und Athena, die gleiches Verlangen herbei-
führte, ein Streit, der nun auf Grund der von beiden Bewerbern
vorgebrachten Beweismittel (.lagrigia entschieden wird. Es ist
unverkennbar, daß das attische Gerichtsverfahren für diese
Fassung der Streitsage vorbildlich war. Die /uagTVQta selbst,
deren legendarische Erklärung die Streitsage ist. der Ölbaum, ■
durch einen Stoß ihrer Lanze von Athena hervorgerufen, der
Salzbrunnen, die &a'iaoaa ebenso von Poseidon (man sieht, es
sind die homerischen Götter) durch einen Stoß seines Dreizacks,
befanden sich, wie Herodot bezeugte im 'Egey^eog vrjög, d. h.,
wie wir oben (S. 13) verstehen lernten, dem alten Doppeltempel.
Einstimmig werden sie von den antiken Schriftzeugnissen, die
am vollständigsten1) Stephani (Compte-rendu für 1872 S. 64
AA. 3 ff.) zusammenstellte, genannt. In der Beurteilung der

1) Doch weit entfernt von Vollständigkeit. Es fehlen z. B. Plato,
Critias 109B, Menex. 237 C, Isociates, Panathen. (XII) 193.
 
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