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Petersen, Eugen
Die Burgtempel der Athenaia — Berlin, 1907

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https://doi.org/10.11588/diglit.934#0115
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112 VI. Die Cella der Polias.

auch viel früher schon, vielleicht von Anfang an beigeschrieben
sein. Die Anordnung des ganzen Bildes in Streifen übereinander,
zeitlich von oben nach unten herabsteigend ermangelt, sei es in
dem einen, sei es in beiden, der Analogie weder in früheren
noch späteren Zeiten. Es genügt an die Francoisvase zu er-
innern, an den Thesauros der Knidier oder Siphnier, besser an
deu Parthenon. Denn warum sollten nicht auch Giebelgruppen
über Metopen und Fries mitzählen, wenn, wie namentlich am
Parthenon, der innere Zusammenhang und die zeitliche Abfolge
(s. oben S. 50) so klar sind. Von späteren Werken sei die
Tafel des Archelaos genannt, das esquilinische Wandgemälde
(Springer-Michaelis8 S. 395), sei an Jahns Bilderchroniken er-
innert. Der Zeit und Kunstgattung nach am nächsten stehen
jedenfalls die Malereien der großen Prachtamphoren, wie sie
sich von den Polygnotisehen Gemälden her namentlich in Groß-
Griechenland entwickelt haben. Meistens stellt der oberste
Streifen auch die begrifflich höchste Sphäre dar, die Götter im
Olymp, die aus der Höhe an den irdischen Vorgängen der
unteren Streifen teilnehmen. Die berühmte Perservase, Reinach
Eep. I 194, eine andere 98, die Entführung der Köre 97, die
Unterweltsvasen z. B. 158, 167 und viele andere sind an
Handlung und Bewegung meist reicher; im übrigen mögen sie
am ersten zum Vergleich dienen, namentlich wenn wir die hand-
lungsloseren Götter im Oberstreifen dieser Vasen mit den Buta-
den der unteren Streifen des Pinax zusammenhalten. Übrigens
haben wir uns die Butaden schwerlich alle stehend zu denken,
da sie auch als Priester ihren Thron hatten, wie von einem
solchen Doppelthron die erhaltene linke Hälfte die Inschrift
uQiwg Bovtov trägt ('26, 28), die rechte, vielleicht sogar nur
das mittlere Drittel der Thron des Erechtheuspriesters war, an
den dann noch ein dritter für den Hephaistospriester anschloß.

VI. Die Cella der Polias.

Vom Erechtheion im engeren Sinne wenden wir uns mit
Pausanias zur Cella der Polias, der Erneuerung des alten ädurov
Ttjg iteov, wenn sie auch, wie oben S. 18 vermutet und be-
gründet wurde, vielleicht nicht an derselben Stelle, jedenfalls
auf höherem Boden lag als im Urtempel. Ihre prostyle Vor-
 
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