Pomtow, Hans R.
Beiträge zur Topographie von Delphi — Berlin, 1889

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Die alte -rcdXtc der Delphier.

Krümmungen gezwungen durch das von hier aus bald terrassenförmig, bald in mehr
oder weniger steiler Abdachung 1000—1500 Fuss tief zum Pleistos sich hinabsenkende,
durch die Winterbäche des Gebirges zerschnittene, ausgefurchte Terrain, das seine
tiefste Senkung im Flussbett erreicht, um jenseits desselben wiederum schroff zu dem
Nordabhang der vorgelagerten Kirphis emporzusteigen. Die Felskette dos Petrites
findet plötzlichen Abschluss durch eine fast senkrecht abstürzende, nach Westen schau-
ende Stirnwand, die uns den breiten Durchschnitt der Kette zuwendet: die oben flach
pyramidal gestaltete Hyampeia, an deren Fuss der kastalische Quell entspringt. Diesen
scharfen Abschnitt hat ein, zur Winterszeit in mächtigen Caskaden durch die Felsen
brechender Gebirgsbach verursacht, der die Wässer der oberen Berghalden dem Plei-
stos zuführt und im Laufe der Jahrtausende eine finstere, von grandiosen Steilwänden
eingefasste Schlucht ausgehöhlt hat, in welche die Sage den Aufenthalt des Erddrachen
Pytho verlegte. Das Ravin dieses Baches geht dann parallel dem Fuss der Hyampeia
und hart an der Castalia vorüber, nimmt ihr ziemlich reichliches, perennirendes
Wasser auf, stürzt unmittelbar darauf wieder gegen 100 Fuss tief ab und erreicht
schliesslich, — jenes Abdachungsterrain in tiefem Erdeinschnitte (bis 200 Fuss) que-
rend —, durch ein letztes offenes Felsenthor den Pleistoslauf. Diesseits (westl.) des
Rheuma setzen sich nun die Parnasswände nicht in gleicher Richtung wie vorher fort,
sondern zunächst jene Querwand in ganzer Breite freilassend, treten sie etwas nördl.
zurück, um von da an etwa in zwei Drittel der Hyampeia-Höhe in nordwestlicher Linie
nach Amphissa hin zu verlaufen. Etwa 3/4 Kilom. westl. vom Ravin senden sie einen
Ausläufer in Gestalt eines scharfen Felsrückens nach Süden hinab, der in seiner oberen
Hälfte das sogen. Philomeloscastell und auf dem darunter liegenden Sattel die Kirche
des H. Elias trägt. Parallel zur Hyampeiawand, reicht er doch tiefer nach Süden und
schliesst in ziemlich steilem Absturz ab etwa in gleicher Höhe mit der Castalia: von
seinem Fuss aus fällt das nun sehr zusammengedrängte Terrain ungemein abschüssig
zum Plistus.

Der zwischen diesen Felsmassen entstandene, dreiecksförmige Raum ist nun
'das Delphische Thal', richtiger 'Berghang', begrenzt im Osten durch die Hyampeia,
im X. von der nordwestl. streichenden Schrägkette, die hier den Namen der Phae-
driaden führte, im W. von dem beschriebenen Felsrücken. Die Gesammtabdachung
zerfällt also hier in das obere, felsenumschlossene Dreieck und den unteren, zum
Plistus sich senkenden Terrainabhang; so entstehen zwei deutlich getrennte Hälften:
die obere (nördlich der Chaussee) trägt im innersten Winkel des Dreiecks das Stadion
und s. ö. darunter das mächtige, fast quadratische Temenos, das ihre ganze Breite
einnahm und bis zu ihrem Südrand reicht, während die untere, südlich der Chaussee,
bedeutend steiler abfallend auf zahlreichen Terrassen die Häuser des alten Delphi
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