Schlagintweit, Emil
Indien in Wort und Bild: eine Schilderung des indischen Kaiserreiches (Band 1) — Leipzig, 1880

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Mandela Radschput, Fürst von Pannah, CentraUndien.

DRITTES CAPITEL.

Völker und Kasten.

tft

K. ... .

■jrc ie Bevölkerung Indiens setzt sich aus einer ungemein grossen Zahl von Völkern,

L Stämmen und Sippen zusammen, die unter sich im Aeusseren, in Sprache, Charakter

und Gesittung mehr von einander abweichen, als die verschiedenen Nationen des

europäischen Kontinentes.') Bis zur Aufrichtung der englischen Herrschaft fühlten

T sich die indischen Völker nicht als eine einheitliche Nation — dies Wort im Sinne einer

j Kulturgemeinschaft genommen —, noch hatten sie für sich eine gemeinsame Bezeichnung.

Die Westasiaten, die Perser, Araber und Afghanen, welche früher als die Europäer als

Eroberer und Händler mit Indiern direkt in Berührung kamen, nannten sie Hindu, was

etymologisch auf Sindhu, den eingeborenen Namen für den Indus-Fluss zurückzuführen

ist; sie gebrauchten das Wort aber in der Nebenbedeutung „schwarzer Mensch", weil die

Indier von dunklerer Hautfarbe sind, als die westlichen Asiaten. Im Munde des ersten mit

Indien in Verkehr tretenden europäischen Schiffsvolkes wurde Hindu zu Gentu. Damals war das

') Der Schilderung liegt ein umfassendes Material amtlicher Verwaltungsberichte und Veröffentlichungen der statistischen Bureaux für das
indische Kaiserreich zu Grunde; meinem Gesuche um üeb'erlassung dieser im Buchhandel nicht zu beschaffenden bändereichen Sammlungen, ohne
deren Benutzung das ganze Werk nicht möglich geworden wäre, wurde seitens der indischen Regierung in einer Ausdehnung stattgegeben, welche es
mir zur besonderen Pflicht macht, meinen tiefgefühltesten Dank hierzu wiederholen. Feiner standen zur Verfügung und waren mir von hohem Werths
die Tagebucher meiner Brüder Hermann, Adolf und Robert von Schlagintweit während ihrer Reisen in Indien und Hoch-Asien (1854—58),
ihre 730 Menschenmessungen und 275 Gesichtsmasken über Lebende (vervielfältigt in Metall und Gips, Verlag von J. A. Barth, Leipzig).

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