Waagen, Gustav Friedrich
Kunstwerke und Künstler in England und Paris (Band 2): Kunstwerke und Künstler in England — Berlin, 1838

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Eindruck von Oxford. 23

als ich, behaglich in der Stadt von sehr mäfsigem Um-
fange hin und wieder schreitend, den ganzen Reichthum
und die Mannigfaltigkeit der stattlichen, aus Werk-
sücken aufgeführten, alten Gebäude gewahr ward, wel-
che die Stadt in verschiedenen Richtungen so beherr-
schen, dafs die dazwischen eingeklebten, nichtigen For-
men der modernen Privathäuser dagegen als gleichgül-
tige Füllstücke erscheinen, und die Einheit des echt mit-
telalterlichen Eindrucks nicht wesentlich stören. Zur
Zeit der Vorlesungen, wenn die zahlreichen Studen-
ten in ihrer alterthümlichen Tracht sich in den Stra-
fsen hin und her bewegen, fehlt es auch nicht an
einer gleichartigen Belebung. Jetzt, zur Zeit der Fe-
rien, sah ich in spärlich einherwandelnden Fellows
nur einzelne Proben dieser Art. Die Mehrzahl jener
Gebäude wird von den sogenannten „Colleges" ge-
bildet, in deren jedem eine gewisse Anzahl von Leh-
rern verschiedener Grade und Studenten zusammen
wohnen. Das Aufsere derselben hat durch die mit
Zinnen versehenen Mauern und Thürme das Ansehen
alter Ritterburgen, im Innern aber verrathen die den
Klöstern nachgebildeten, öfter mit stattlichen Kreuz-
gängen umgebenen Höfe die eigentliche Bestimmung.
Haupttheile in jedem College sind die Capelle und
die Hall, oder der grofse gemeinschaftliche Speise-
saal. Erstere könnte man in den gröfseren Collegien
füglich Kirchen nennen, letztere sind hohe, luftige,
oft sein- stattliche Räume, mit im reichen gothischen
Geschmack in Holz ausgeführten Decken. Als Masse
imponirt vor allen das von dem Günstling Heinrich's
VIII., dem Cardinal Wolsey, gestiftete Christchurch
College. Ueber dem Eingange der 400 Fufs langen
und verhältnifsmäfsig hohen Fai;ade erhebt sich noch
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