Waagen, Gustav Friedrich
Kunstwerke und Künstler in England und Paris (Band 2): Kunstwerke und Künstler in England — Berlin, 1838

Page: 212
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/waagen1838/0213
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
212 Reise nach Hertfurd.

Dreiundxwanzigster Brief.

London, den 30. Juli 1835.

Meine beabsichtigte Parthie habe ich glücklich
beendigt. Am 20sten fuhr ich Nachmittags mit der
Coatch nach Hcrtford, der Hauptstadt von der gleich-
benamten Grafschaft, ab. Nachdem wir uns aus der
ungeheuren Stadt herausgewunden, ging die Reise
mit gewöhnlicher Schnelligkeit von Statten. Unter
den vielen Fuhrwerken, denen wir begegneten, fiel
mir besonders eins auf. Vor einem mit Steinen be-
ladcnen Wagen zogen zwei Pferde von der edlen
Racc, wie man sie hier so häufig sieht; um aber die
Kraft zu verstärken, hatte der Fuhrmann für gut ge-
funden, einen kleinen Esel an die Spitze zu stellen,
welcher mit den grofsen Pferden einen höchst ko-
mischen Contrast machte. Gott, dachte ich, wenn
solche Anordnung doch überall noch mit so gutem
Erfolg geschähe, wie hier! In dem kleinen Wirths-
hause, in welchem ich übernachtete, freute ich mich
gleich sehr über die grofse Reinlichkeit, über die
Nettigkeit des Geräthes, wie über die Güte der Pro-
dukte und die sichere, naturgemäfse Bereitung der-
selben. Das Brod gab dem, was ich Dir schon in
London gepriesen, nichts nach, die Hammelcotelets
ä la miuute bewegten sich durchaus auf der Höhe
der Zeit und hätten dem ersten Restaurateur von
Europa Ehre gemacht. In einigen Kartoffeln der
besten Art waren durch richtigen Tact im Sieden
alle schätzbaren Eigenschaften entwickelt, mit wel-
chen die gütige Mutter Natur sie begabt hat! Auch
das rechtliche, solide Wesen der Wirthsleute, die
loading ...