Waagen, Gustav Friedrich
Kunstwerke und Künstler in England und Paris (Band 2): Kunstwerke und Künstler in England — Berlin, 1838

Page: 535
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Drei Manuscripte der Apocalypse. 535

hineingesetzt. In Gewändern und Architectur zeigen
sich nur die Anfänge des gothischen Geschmacks.
Die Gründe sind farbig, am meisten dunkelblau oder
braun, mit einzelnen Kreuzchen, Sternchen, Lilien
in Weifs, oder dem helleren Localton verziert. Nur
einige zeigen hübsche Arabesken nach antiken Mu-
stern, andere das schönste Blattgold mit Erhaben-
heit, nur das letzte Blatt einen Schachbrettgrund
(panelled), -welcher später so allgemein wird. Die
Heiligenscheine, die leistenartigen Einfassungen der
Bilder sind in derselben Art vergoldet. Vorkom-
mende Bäume haben noch die typische Form des
12. Jahrhunderts. Die Erhaltung des Ganzen ist be-
wunderungswürdig. Dieses wichtige Denkmal hat im
Jahre 1649 eine Anna Sadleir dem College verehrt.

Die anderen beiden Handschriften der Apoca-
lypse aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts
(B. x. 2. und B. 10. 6.) sind ungleich minder be-
deutend. In dem ersten ist der Kaiser Domitian an
der Spitze beachtenswerth, welcher wieder als Rich-
ter mit übergeschlagenem, rechten Beine thront.

Den Mittag hatte mich Hr. Crawford, ein Pro-
fessor der Theologie in Kingscollege, eingeladen, mit
ihm in der dortigen Halle zu speisen. Ich lernte an
ihm einen liebenswürdigen Mann kennen, der, ob-
schon noch jung, melirere Jahre in Ostindien zuge-
bracht hatte, und mir manches Merkwürdige über
jenes wunderbare Land mittheilte. Mehr als irgend
eine andere Nation sind die Engländer in so fern
Weltbürger zu nennen, als sie in den verschieden-
sten Theilen des Erdballs zu Hause sind. Nirgend
kann daher auch der VVifsbegierige seinen Gesichts-
kreis so leicht über alle Zonen verbreiten, als in
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