Wiegand, Theodor
Siebenter vorläufiger Bericht über die von den Königlichen Museen in Milet und Didyma unternommenen Ausgrabungen — Berlin, 1911

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Tu. Wienand

langgestreckte milesische Verhältnis von 100 zu 175 Fuß oder 4 zu 7
sich sehr erheblich von dem zu Priene (120 zu 160 Fuß oder 3 zu 4)
unterscheidet, ebenso von dein zu Alexandria (1000 zu 1200 Fuß oder 5
zu 6).

Daß wir hiermit auch die Straßeneinteilung der Hippodamischen Zeit
gefunden haben, ist nicht anzunehmen. Nach verschiedenen Spuren zu ur-
teilen, scheint die Stadt des 5. Jahrhunderts eine entschiedener nach Nor-
den laufende Gesamtrichtung gehabt zu haben als diese hellenistische, die
vielleicht erst nach der makedonischen Eroberung angelegt wurde.

V. Markt und Hallenanlagen.

Zu den großen Fortschritten in der Erkenntnis des Stadtbildes gehört
auch die Feststellung der Südgrenze des hellenistischen Südmarktes, mit
welcher wir nun sämtliche Maße dieser Riesenanlage gewonnen haben. Es
zeigt sich, daß sie den größten bisher aufgedeckten hellenistischen Markt,
den von Magnesia am Mäander (Magnesia S. 107 Taf. II und III), um mehr
als 6000 Quadratmeter übertrifft. Es scheiden sich bei dieser Anlage
mehrere Bauepochen. Das älteste Gebäude scheint die 190 m lange, nach
Westen geöffnete dorische einschiffige Halle gewesen zu sein (Fig. 3), die
mit einer dreifachen Reihe von Kammern ausgestattet ist: davon öffnet
sich die östliche Reihe nach einer an der Ostseite vorbeiführenden Straße; es
darf vermutet werden, daß wir mit diesem Bauwerk, aus dessen 78 Läden
und Magazinen eine reiche Miete gezogen werden konnte, die großartige Stif-
tung des Königs Antiochus I. Soter gefunden haben, deren Einkünfte für
das Didymeion bestimmt waren und über welche das von B. Haussoullier
in Didyma entdeckte Ehrendekret (Haussoullier, Etudes sur l'histoire
de Milet et du Didymeion S. 34 ff.) berichtet. Auch die übrigen zwei-
schifflgen Hallen waren im dorischen Stil erbaut, die Innensäulen ionisch
mit glattem Schaft. Ursprünglich waren die drei Eingange dieses Marktes
ganz schmucklos, im Norden hat man später einen Torbau mit zwei Säu-
len eingefügt.

Große Veränderungen sind in späthellenistischer Zeit, vermutlich im
1. Jahrhundert v. Chr. erfolgt. An der Gegenüberstellung der beiden Pläne
Fig. 3 und 4 ersieht man, daß damals die Antiochoshalle in eine zwei-
schiffige Anlage umgewandelt wurde, so daß dieses System nun den gan-
zen Markt einheitlich beherrschte. Der Südeingang wurde bis auf eine

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