Wiegand, Theodor
Siebenter vorläufiger Bericht über die von den Königlichen Museen in Milet und Didyma unternommenen Ausgrabungen — Berlin, 1911

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Siebenter vorläufiger Bericht über Ausgrabungen in Milet und Bidyma. 9

der Figur 2 annimmt, Übeiwölbungen, bald Holzbrücken, die rasch entfernt
werden konnten. Jeder Turm hatte zwei Geschosse, das untere massiv,
das obere wohl durchgängig als Geschützstand eingerichtet, wie man es
jetzt noch z. B. an der Lysimachischen Stadtmauer von Ephesus beobachten
kann. Solche Geschützstände glaubt von Gerkan vereinzelt auch innerhalb
der Kurtinen (Fig. 2 ganz unten) annehmen zu dürfen.

Auch am äußersten Südwestende der Stadtmauer fand sich noch ein
bisher unbekanntes Tor; es ist jedoch bis auf Sockelschwellenhöhe abge-
brochen, läßt nur noch den profilierten Sockel erkennen und scheint der
späteren hellenistischen Epoche anzugehören.

Ein späthellenistisches Grabepigramm fand sich nahe der hellenistischen
Stadtmauer (luv. Nr. 1 273, rechteckiger Marmorblock, Höhe 29 cm, Breite
94 cm, Buchstabenhöhe 2 cm):

ZUTTYPON £l*IKPÄTOYC Yn' EMoTc CTGPNOICI KPY<t>£NTA
*POYPU AAKPYTÖM MHTPI AlfTÖNTA nÖGON.

IV. Die hellenistische Straßeneinteilung (Taf. I).

Wenn man die im vorigen Berichte veröffentlichte Planskizze der Stadt
(Abb.. d. Berl. Akad. d. Wiss. Anh. 1908, Taf. III) mit der jetzt herausgege-
benen vergleicht, so zeigt sich in der Erkenntnis der Straßeneinteilung
ein entscheidender Fortschritt. Dieser Gewinn ist durch systematisches
Suchen der Straßenkreuzungen mittels Aufgrabung erzielt worden. Es muß
jedoch bemerkt werden, daß auf der neuen Planskizze die Straßen der
Deutlichkeit halber etwas breiter als in Wirklichkeit gezeichnet werden
mußten, wie dies auch bei allen modernen Stadtplänen geschieht; die Skizze
kann daher nicht zur Grundlage exakter Messungen benutzt werden.

Es ergab sich, daß der normale Abstand der Längsstraßen vonein-
ander rund 29 m beträgt, so daß man mit Bestimmtheit annehmen darf,
es seien als Normalmaß 100 Fuß zu 29,6 cm — also ein Plethron —
für die Insulabreite zugrunde gelegt. Die Länge einer Insula beträgt etwa
55,50 m oder 175 Fuß = i3/4 Plethron; diese Länge pflegt jedoch noch
einmal in nicht gleichmäßiger Art von Querstraßen durchschnitten zu sein,
je nachdem es das Gelände erforderte. Die Straßenbreite beträgt normaler-
weise 10 Ellen (4,40—50 m). Vergleicht man die Maße der normalen mile-
sischen Insula mit denen anderer antiker Städte, so ergibt sich, daß das
PAil.-hist. Klasse. 1911. Anhang. Abh. I. 2
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