Wiegand, Theodor
Siebenter vorläufiger Bericht über die von den Königlichen Museen in Milet und Didyma unternommenen Ausgrabungen — Berlin, 1911

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T h. Wieg and

(R. Kekule von Stradonitz, Sitzungsber. d. Berl. Akad. d. Wiss. 1904,
S. 797) mit seinem späten Kopfputz und seiner gar zu groben Behandlung.
Wir sehen hier die Stirn mit drei Reihen kurzer Locken umgeben, darüber ein
doppeltes Schmuckband, das auf dem Scheitel geknotet ist. Auch die drei
langen Locken über den Schultern sind sorgfältiger und archaischen Gewohn-
heiten entsprechender wiedergegeben als auf dem Theaterrelief. Dieselben
hochgeschwungenen Brauenpartien, welche die von Kekule in erster Linie
zum Vergleich herangezogene Bronze des Louvre so deutlich überliefert
(a. a. 0. 796; Kalkmann, Arch. Jahrb. VII, Taf. 4), bemerken wir auch hier.
Auch wird es kein Zufall sein, daß bei beiden das Auge in seinem äußeren
Winkel sehr lang gezogen ist. Wenn auch im ganzen der Kopf der Kassette
weit entfernt ist, den archaischen Eindruck des Kanachosapoll unverfälscht
zu vermitteln, wenn namentlich der Gesichtsumriß ein allzu modernes,
längliches Oval zeigt, so erinnert doch wieder der strenge Ausdruck des
Mundes mit der sehr markierten Teilung der Oberlippe an das Altertüm-
liche des Vorbildes.

Die Entstehung des Serapistempels im 3. Jahrhundert ist auch durch
den Charakter der Weihinschrift des Architravs gesichert (Buchstabenformen:
WHY): j|oya. Ayphaioc MeNSKAfic eeö enHKÖu CAPÄrriAi gyxhn kai th rAYKY"r[ÄTH

FIATPJiAl TÖ (SO) nPÖNAON CYM rTANTI TU KOCMW GK TUN IAICÜN.

Bei dieser späten Datierung gewinnt der singulare Grundriß großes
Interesse für die Frage nach der Entstehung der tlachgedeckten dreischiffigen
Kirchen der frühchristlichen Epoche. Wir sehen, daß die ausgehende Heiden-
zeit sich bereits des von den altchristlichen Baumeistern bevorzugten Grund-
risses bedient hat und daß ihn letztere nur leicht zu verändern brauchten.

VII. Das römische Heroon an der heiligen Straße bei den Faustinathermen.
Dieser neuentdeckte, 46 m lange, 28m breite Komplex (Fig. 1 o) füllt
den Raum zwischen vier Straßenlinien, von denen die östliche in Ver-
längerung des heiligen Weges von Didyma nach der Löwenbucht verläuft.
Es handelt sich um einen großen Säulenhof mit Eingang vermutlich von
Norden, in welchem ursprünglich kein Innenbau stand, der vielmehr nur
an der Südseite fünf Kammern hatte; die mittlere war eine breite, sich
mit zwei Säulen nach dem Peristyl öffnende Exedra, die sich mit dem
Ephebeum der Gymnasien vergleichen läßt. An ein solches wirklich zu
denken, liegt ja nahe, doch ist es auffällig, daß drei der fünf Räume sich
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