Wiegand, Theodor
Siebenter vorläufiger Bericht über die von den Königlichen Museen in Milet und Didyma unternommenen Ausgrabungen — Berlin, 1911

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Tu. Wieg and:

der früher für diesen Zweck nicht bestimmt war. Die Umfassungsmauern
des Raumes sind bis zum Ansatz des Tonnengewölbes erhalten; fünf Türen
führen in diesen Saal, der sechs Nischen hat, nebst einer Anzahl Sitzbänke,
die sich den Wänden entlang ziehen, jedoch ursprünglich ebenfalls hier
nicht gestanden haben.

Die Aufnahme der Thermen hat nach Kaweraus Tode Hr. Regierungs-
bauführer Krischen übernommen; insbesondere hat er sein Augenmerk
auf die Frage der Beleuchtung der hohen Säle gerichtet, die ja für alle
großen Römerbauten von Bedeutung ist. Hier wurde die Lage und Kon-
struktion der Fenster ermittelt, und zwar ließen sich drei Typen feststellen:
die kleinsten Fenster haben etwa 25 qm Fläche ergeben. Der Gesamtaufbau
des Hauptsaales (Caldarium), dessen Höhe an den Schmalwänden heute
noch 13 m beträgt und dessen Scheitelhöhe im G-ewölbe einst 23,5 m be-
trug, läßt sich mit Sicherheit feststellen. Dieser Hauptsaal hatte sechs
Fenster zu 25 qm bei einer Grundfläche von 500 qm. Da die reine Glas-
fläche — denn Glas ist sicher festgestellt — der sechs Fenster 75 qm be-
trägt, so ergibt sich das auch in moderner Zeit für gut beleuchtete Räume
angewandte Verhältnis von 1:7. Auch der Aufbau der übrigen Räume
wird in den wesentlichsten Zügen zu ermitteln sein. Die erhaltenen Werk-
stücke geben sogar Aufschluß über die Verteilung der Abzugsrohre der in
den Wandtubuli emporsteigenden Heizgase.

Der Haupteingang der Thermen hat wahrscheinlich an dem freien
Platze gelegen, welcher sich vor der Ostseite des Stadion ausbreitete.
Diese Gegend ist von türkischen Dorfhäusern überbaut, deren Beseitigung
unterbleiben mußte. Wir vermuten, daß hier Säulenhallen den äußeren
Abschluß nach Süden und Westen bildeten; auf dem Plan sind sie mit
einfachen Linien angedeutet. Die an die Spitze des .Stadion anstoßende
Mauer in Nord-Süd-Richtung ist jedoch festgestellt.

I

X. Die frühbyzantinische Michaelskirehe westlich des Nordmarktes.

Die Freilegung dieser großen, im Herbst 1910 entdeckten dreischiffigen
Basilika mit ihren zahlreichen Nebenräumen ist noch nicht ganz abge-
schlossen, weshalb auch von der Mitteilung eines Planes abgesehen werden
muß. Jedoch kann jetzt schon das Vorhandensein eines Atriums vor der
nördlichen Langseite hervorgehoben werden. Das Ganze steht über einer
palastähnlichen hellenistischen Hausanlage. Die Kapitelle waren korinthisch
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