Zeitschrift für christliche Archäologie und Kunst — 1.1856

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ARCHÄOLOGISCHE REISEBERICHTE.----MAGDEBURG. (S. SEBASTIAN.) 251

der Milte durch wenige und sehr einlache und kleine Rundbogenöffnungen durchbrochen
wird, die Thürme gar nur durch Schlitzfenster zur Erleuchtung der im Innern derselben
angebrachten Treppen. Nur zu oberst wird in sehr wirksamer Weise der Mittelbau durch
eine sechsfache rundhogige Bogenstellung abgeschlossen, welche das eigentliche, in niedersäch-
sischer Weise durch ein Satteldach abgedeckte Glockenhaus bildet. Seitwärts werden die
Thürme oberhalb dieses Daches noch durch ein Geschoss überstiegen, welches an jeder Seite
durch eine Fenstergruppe geöffnet ist. Nur die Spitzen in Zwiebelform harmoniren nicht
mit der sonst so ernsten Architektur dieser Fronte. Der ganze Bau ist, bis etwa zwei
Drittheile von unten auf, aus einem helleren, der obere Theil aber aus dunklerem Bruch-
stein erbaut, nur dass auch hier die Ecksteine der Thürme, so wie die Säulen, Bogenein-
fassungen und Gesimse, aus dem helleren Material bestehen, und so das Ganze ein einfaches
Farbenspiel gewährt. Die kleinen unteren Fenster des Mittelbaues zeigen stets eine schmale
bündige Einfassungsschicht der Einwölbungssleine. Das Detail der obersten Arkaden vor der
Glockenstube ist kaum zu bestimmen, da das Gestein durch Brandschaden gelitten hat, wes-
halb auch die Arkaden hier sämmtlich vermauert sind. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass
diese Brandspureii vom Jahre 1188 herrühren, spätestens von 1207, da die einfache Archi-
tektur dieses Bautheils wohl der Zeit um die Mitte des XII. Jahrhunderts entspricht. Die
Obergeschosse oder isolirten Thürme zeigen dagegen einen entschieden jüngeren Charakter.
Auf jeder Seite sieht man über Säulen drei gekuppelte Spitzbogenöffnungen j die mittlere
etwas höher hinaufgeführt, in gemeinsamer Gruppe innerhalb eines sie umfassenden Rundbo-
gens. Die meisten Spitzbögen sind, wie es im XIII. Jahrhundert üblich war, aus Platten
ausgeschnitten und dann zusammengesetzt; doch kommen auch gewölbte vor, an denen
die Zwickel noch durch Kleeblaltverzierungcn und Kreuze geschmückt sind. Alles dies sind
Formen des Uehergangsstyles, wie er in der ersten Hälfte des XIII. Jahrhunderts herrschte.

Das Querhaus bat im Wesentlichen gleichfalls noch seine romanische Architektur er-
halten. Namentlich zeigen die Kämpfer der nach allen vier Richtungen hin gespannten
Rundbögen noch Formen, die sie gleichfalls etwa der Mitte des XII. Jahrb. überweisen. *)
Die Kämpfer der westlichen an der Ecke des Mittelschiffs befindlichen Pfeiler zeigen nur
das Profil der umgekehrten attischen Basis, wahrend die an den Ecken des Altarhauses
befindlichen z. Tb. mit reichem und durchgehend sehr edlem Blattwerk von noch strenger
Bildung geschmückt sind. Einzelne Rundbogenfensler der nördlichen Giebelwand und der
östlichen Wand des südlichen Flügels lassen erkennen, dass auch das Mauerwerk noch alt
ist. Unter letzterem ist jetzt eine sehr einfache Rundbogenthür; möglicherweise war sie
ehemals der Schildbogen einer Nebcnabside. Die Südfronte des Kreuzes ist jetzt durch ein
ziemlich hohes Spilzbogenfensler aus Formziegeln eingenommen.

Das Altarbaus hat eine Länge von 3 quadratischen Jochen und einen polygonen
Chorschluss von fünf Seiten des Achtecks. Der Nordseite ist, neben dem Querhause, eine

*) S. Taf. XVI. Fig. 2-5. In der unten folgenden Beschreibung der Tafel wird angegeben werden, wo sich jede
einzelne dargestellte Figur befindet.

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