Zeitschrift für christliche Archäologie und Kunst — 1.1856

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ARCHÄOLOGISCHE REISEBERICHTE. ---- MAGDEBURG. (KLOSTER U. L. FRAUEN.) 213

islud capitulum et Thomas pictor de Mutina pinxit istud", wodurch wir bestimmte Runde
über des Malers Lebzeit erhalten. Wahrscheinlich, dass Karl IV. auf seinem Römerzug in
den Jahren 1354 und 1355 demselben die Ausführung obiger Altarbilder übertragen hat.
Von ihm soll er sich auch mit des Papstes Erlaubniss eine Copie nach dem in S. Giovanni
in Lateran befindlichen Antlitz Christi, welches dem h. Lucas zugeschrieben wird, haben
fertigen lassen. Dieses interessante Bild, umgeben von einer später hinzugefügten Randma-
lerei mit sechs kleinen Figuren der Landespatrone Böhmens, befindet sich noch in der Ca-
thedrale zu S. Veit, nahe beim Eingang in die Sakristei aufgestellt. Eine andere Vera icon,
welche der Evangelist Lucas selbst gemalt haben soll, und gleichfalls vom Kaiser aus Italien
nach Prag gebracht worden ist, bewahrt der Domschatz. Den Grund des Temperabildes be-
deckt ein Goldblech.

(Schluss folgt.)

Archäologische Reiseberichte.

Magdeburg.

(Fortsetzung. — Vergl. Heft IV. S. 165.)

Kloster U. L. Frauen. Nachdem wir die Marienkirche, ihres künstlerischen In-
teresses wegen, einer genaueren Untersuchung unterzogen, schliessen wir noch einige Worte
bezüglich der dazu gehörigen Klostcrgebäude an.

Den Winkel zwischen Altarhaus und dem nördlichen Kreuzarme, wo ursprünglich
wohl wie noch jetzt auf der Südseite, eine Nebenabside gewesen sein wird, nimmt gegen-
wärtig eine Kapelle ein, deren rundbogiges Kreuzgewölbe, ohne Bippen, durch drei Paar
sehr schlanker Pfeiler und Säulen getragen wird, Paar für Paar von gleicher Bildung. Das
östlichste derselben sind viereckige Pfeiler, mit Ecksäulehen: letztere allein haben Blattkapi-
täle, während der Pfeiler selbst nur durch ein profilirtes Kämpfergesims abgeschlossen ist.
In der Mitte befinden sich zwei Säulen mit Blattkapilälen, welche ohne Trennungsglied so-
gleich aus dem Schafte entspringen. Das westlichste Paar sind achteckige Pfeiler, welche
jedoch so gebildet sind, dass die schrägen Seiten sich unter dem Kämpfer wieder in die
viereckige Grundform desselben zusammenschmiegen, welche Formbildung durch überkragen-
des Blattwerk weiter ausgebildet wird. Im Wesentlichen darf man also auch diese letzteren
Pfeiler als viereckige betrachten, deren Ecken stark abgeschrägt sind. Während anderwärts
auch die Basis die viereckige Hauptform zeigt, die achteckigen Flächen auch unterhalb gegen
dieselben sich curvenförmig verlaufen, geschieht dies hier bloss am Obertheil des Pfeilers.
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