Zeitschrift für christliche Archäologie und Kunst — 1.1856

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MANNICHFALTIGES.

I. Kleinere Aufsätze und Notizen.

1. Baptisterien in Deutschland. __ So wie noch jetzt in Italien, so lässt es sich wohl mit

ziemlicher Gewissheit annehmen, dass auch in den anderen, ehemals dem Römischen Reiche unterworfenen
Ländern,, sogleich mit Stiftung des Christentums neben den bischöflichen Cathedralen stets besondere
Kirchen errichtet wurden, in denen es allein erlaubt war, das Sacrament der heil. Taufe zu verrichten.
Erst spätere Zeiten erlaubten es, dass auch anderen Kirchen dies Vorrecht verliehen wurde, welches zuletzt
auf jede Pfarrkirche überging. Wir versuchen es, im Folgenden in aller Kürze diejenigen Cathedralen auf
ehem. Römischem Gebiete*) zusammenzustellen, neben welchen sich bis in neuere Zeiten herab
besondere Taufkirchen oder doch Spuren derselben erhalten haben. Die Beweise dafür hoffen wir künftig
beizubringen.

Bis jetzt sind folgende Baptisterien bei deutschen Cathedralen nachzuweisen:

1. MAINZ. Die ehemalige Stiftskirche S. Johannes, jetzige Evangelische Kirche, vor der Westseite des

Doms.

2. WORMS. Die Taufkirche S. Johannes neben dem Dom ist erst in neuerer Zeit abgebrochen worden.

Sie zeigte noch die alte Polygonform in reicher Ausbildung der Uebergangszeit des XIII. Jahr-
hunderts.

3. SPEIER. Die Kapelle S. Johannis neben dem südlichen Kreuze des Doms.

4. STRASBURG. Die S. Johannis-Kapelle des Münsters neben der Nordseite des Chors. Neben ihr

fand Erwin von Steinbach sein Grab; auch gab dieselbe der Steinmetzenbrüderschaft, mit welcher
sie in Verbindung stand, ihren Schutzpatron.

5. AUGSBUBG. Dem Dome gegenüber lag auf der Südseite desselben, nur durch einen Hof von ihm

getrennt, die S. Johannis-Kirche, bis dieselbe in neuerer Zeit abgebrochen wurde.
6- REGENSBUBG. Die Taufkirche S. Johannes Baptista, mit einem Collegiatstift verbunden, lag bis zur
Mitte des XIV. Jahrh. vor der Westfronte des Doms. Als letzterer aber nach dieser Richtung hin
erweitert wurde, musste sie damals weichen und ward vor dem jetzigen Dome, nördlich des Vor-
platzes erbaut, wo sie in moderner Erneuerung noch jetzt existirt.

) Es bleibt hiebei zu erinnern, dass auch anderwärts in Deutschland und noch in späterer Zeit besondere Bapti-
slenen vorkommen. So baut Bf. Bernward im J. 1022 zu Hildesheim die Kreuzkapelle zur Taufkirche, und auf Befehl des
luztt. JUMfbard von Salzburg (1147—1164) weiht der Bischof von Gurk in seinem Sprengel eine „ecclesia baptismalis" auf
dem Berge /.ozzon bei Friesach. _ Es ist aber wohl zu bemerken, dass neuerlich sehr häufig namentlich Rundbauten als
Baptisterien bezeichnet worden siud, denen dieser Name nicht im mindesten gebührt. So ist beispielsweise die in Boisseree's
Denkmalen B). 1 als Taufkapelle publicirle ehemalige Rundkapelle S. Martin in Bonn, wie schon der Titel S. Marlin lehrt,
niemals ein Bapüslernim gewesen.
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