Zeitschrift für christliche Archäologie und Kunst — 1.1856

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DIE DOME ZU MAINZ, SPEIER UND WORMS. 131

Schliesslich noch ein Wort in Bezug auf die Afra-Kapelle. Dass sie später ange-
baut ist, ergiebt nicht nur der Augenschein, es wird auch von Niemand bestritten, war also
auch nicht zu erweisen. Was ich aber durch eine genauere Lokalbesichtigung beweisen
konnte, war die Thatsache zweier verschiedener Bauepochen der Kapelle selbst. Von der
älteren ist nur noch die Abside übrig, welche innerhalb der jetzigen Westmauer des Nord-
kreuzes liegt. Im Mauerwerke völlig davon getrennt ist der ganze übrige Bau der Kapelle.
Nur jener ältere Bau kann als ein Werk Kaiser Heinrichs IV. anerkannt werden; der neuere
ist jünger als der Umbau des Doms im XII. Jahrhundert, da die Mauern der Kapelle denen
des Kreuzes erst nachträglich angefügt sind. Die Altarnische der älteren Kapelle zeigt sich
aber dadurch entschieden als späterer Anbau, dass durch dieselbe ein Fenster der älteren
Krypta vermauert worden ist. Da nun die Mauer des Kreuzes gegen dieselbe vortritt, so
erscheint letztere wieder jünger als die Altarnische. Hieraus ergiebt sich nothwendig
diese Zeitfolge: 1) Krypta, 2) Altarnische der Afra-Kapelle, 3) Mauerwerk des Kreuzes,
4) Mauerwerk der Afra-Kapelle. Für 1 und 2 haben wir Data; für 3 und 4 können sie
nur durch Vergleichung gefolgert werden, was ich gethan habe. Auch glaube ich nicht,
dass dieselben durch die Formbildungen widerlegt worden sind, da bei deren sehr isolirt
dastehendem Charakter Vergleichungen mit sicher datirlen Monumenten schon an sich sehr
schwer sind. Am meisten Analogie bieten mehrere Kapitale u. s. w. des Doms selbst dar, und
hier vorzugsweise an den Seitennischen der Kreuzmauer. Ich habe die Gründe angegeben,
welche mich bewogen haben, letztere erst Ende des XIII. Jahrhunderts zu setzen; man hat
denselben bis jetzt keine Gegengründe entgegengestellt.

F. v. Quast.

MANNICHFALTIGES.

I. Kleinere Aufsätze und Notizen.

1. lieber die Dome zu Mainz und Speier (Anlage zu [Heft 2] S. 65). — Was den Beginn
des Baues der Gothards-Kapelle betrifft, so habe ich in meiner Geschichte und Beschreibung des Domes
zu Mainz, S. 14, allerdings gesagt, dass Erzbischof Adelbert I. sie erweislich in den Jahren 1135 und
1136 erbaut habe, allein ich entsinne mich jetzt, nach Verlauf von 20 Jahren, nicht mehr genau, wel-
cher Quelle ich dieses Datum entnommen habe; indessen will ich hier mittheilen, was ich in Folge er-
neuerten Nachsuchens gefunden habe. Der gelehrte Schunk sagt in seiner, einer am 24. Septbr. 1809
bei Gelegenheit der Glockenweihe gehaltenen Predigt des Bischofs Colmar angehängten Abhandlung über

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