Zeitschrift für christliche Archäologie und Kunst — 1.1856

Seite: 241
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Ueber die mittelalterliche Kunst in Böhmen und Mähren.

(Schluss. - Vergl. Heft IV. S. 145. V. S. 193.)

INachdem wir die uns bekannt gewordenen Malereien in Böhmen, welche bis zu
linde des XIV. Jahrhunderts entstanden sind, unserer Betrachtung unterzogen haben, hätten
wir uns in gleicher Absicht auch nach Mähren zu wenden; allein wir linden hier nur im
Brünner Losungs- oder Sleuerbuche die Namen einiger Maler jener Zeit, als Heintzlin,
Ulrich, Schwab, Niklas und Johann*), ohne alle Kunde über ihre Werke, die indessen,
ohne die Unterstützung eines kunslliebenden Fürsten, denen in Böhmen schwerlich gleich
gekommen sein dürften. Von grösseren Werken der Maler aus dem XIV. und XV. Jahr-
hundert können wir überhaupt nur wenig berichten, da nicht nur im Hussitenkrieg viele
Malereien zu Grunde gingen und wenig neue gefertigt wurden, sondern auch durch die
Nachwehen jener furchtbaren Zerstörungen und Parteiungen der nationale Aufschwung, den
die Künste im XIV. Jahrhundert erhalten hatten, bis zum Versiegen herabsank, und als das
Bedürfniss hiefür wieder erwachte, konnten sie sich nicht mehr eigenthümlich erheben, son-
dern erlagen völlig den deutschen Einflüssen. Bei der Seltenheit grösserer Malereien des
XV. und XVI. Jahrhunderts in Böhmen und Mähren, geben uns die Miniaturen auch hier
den besten Aufschluss über sie in jenem Zeiträume. Nachfolgende in Handschriften aus
der ersten Hälfte des XV. Jahrhunderts machen ersichtlich, wie die böhmische Kunst, ihrem
Verlöschen zueilend, fast zu einer mechanischen Handfertigkeit herabsank und nur noch
lebendig in portrailähnlichen Darstellungen ist. Zu der ersteren Art gehören die ersten vier
nachfolgend beschriebenen Miniaturen.

Eine Erklärung der ganzen h. Schrift in Latein nach der Uebersetzung des h. Hie-
ronymus, dessen Bildniss von geringer Arbeit sieh zu Anfang des Buches beiindet. Der
Faltenwurf ist überreich. Die Bändereinfassungen von bedeutender Breite bilden grosse un-
schöne Blumen. In der Strahower Bibliothek zu Prag befindlich.

Nicht besser ausgestaltet ist ein Officio des h. Hieronymus mit dessen beigefügter
Lebensbeschreibung in der Museumsbibliothek zu Prag. Der Kirchenvater ist hier darge-
stellt, wie er einem Löwen einen Dorn aus der Tatze zieht; dabei kniet kleiner der Dona-
tar, oder der die Schrift hat fertigen lassen.

In einer böhmischen Bibel derselben Bibliothek sind die Initialen mit kleinen Figu-
ren verziert; gleichfalls von sehr dürftiger Behandlungsvveise.

Endlich ist in einem Missale in der Bibliothek zu Olmütz die grosse Miniatur, Chri-
stus am Kreuz mit Maria und Johannes zu den Seiten darstellend, roh von Zeichnung, ob-

*) S. E. Hawlik, zur Geschichte der Baukunst etc. im Markgrafenthum Mähren. Brunn 1838. S. 19.
1856. •".
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