Achelis, Hans
Die Katakomben von Neapel — Leipzig: Hiersemann, 1936

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ACHELIS, DIE KATAKOMBEN VON NEAPEL

Tafel 59
S. Gennaro. i. Katakombe. Kapelle. Luminar.
Thronender Christus
Vgl. oben S. 36
Erwähnt von Celano 46, Pelliccia 138, Jorio 6zf.,
Bellermann 69, Scherillo 102, Schultze 14.
Abbildung: Bellermann Tav. 12,1.
Länge des Christus etwa 4 m, Breite (mit Mandorla)
reichlich 2 m.
Der Christus war ganz in Rot-Braun gemalt, mit
langen Haaren, kurzem Bart und unverhältnismäßig
großen Augen. Kreuznimbus mit Perlen. Über dem
Kopfe das Hemikyklion. In der 1. Hand hält er ein
Buch, das er auf das Knie stützt; die r. ist im Segens-
gestus erhoben. Die Umrahmung bildet eine rot-
braune und blaugrüne Mandorla; die blau-grüne
schließt in ungleichen Halbkreisen gegen die rot-
braune ab. Auf dem Buch die Inschrift:
EGO SVM
LVX MV
NDI QVIS
EQVITVR ME
NON AM BVLAT
• • TE.
= Ego sum lux mundi: qui sequitur me, non am-
bulat in tenebris. Joh. 8,12.
Tafel 60
S. Gennaro. 1. Katakombe. Kapelle. Luminar.
Engel links
Vgl. oben S. 36
Erwähnt von Celano 46, Pelliccia 138, Jorio 62f.,
Bellermann 69, Scherillo 102, Schultze 14.
1 Abbildung bei Ch. Diehl, L’art byzantin dans l’Italie meri-
dionale (Paris 1894) 35. 2 Abbildung bei Emile Berta ux,

Länge des Engels etwa 2 m.
Der Engel ist ebenfalls in rot-braun gemalt. Er hat
einen großen Nimbus und nackte Füße. Sein Gewand
ist eine faltenreiche Ärmeltunika, die bis an die Füße
reicht. Er schwingt ein Weihrauchfaß. Unter dem
Engel las Jorio die Inschrift:
• • EITI • • • CON • •
NIE • • • TIS ; REQVIEM ; ANIMIS •
VESTRIS • IVGVM : ENIM i ME =
• •STE.
••FEST +
— quia mitis sum et humilis corde, et invenietis re-
quiem animis vestris. jugum enim meum suave est.
Matth. n,29f.
R. von Christus befand sich ein gleicher Engel, der
durch die moderne Stützmauer größtenteils weg-
gebrochen ist.
Zu Taf. 59,60. - Der thronende Christus mit dem
Kreuznimbus, dem Evangelienbuch in der Linken
und der segnend erhobenen Rechten ist ein sehr weit
verbreiteter Typus. Ich führe nur zwei besonders
nahestehende Beispiele aus Unteritalien an. Zunächst
das Fresko in Carpignano, das durch seine griechische
Votivinschrift auf das Jahr 959 datiert ist1, sodann die
Miniatur der Exultet-Rolle von Monte Cassino aus
dem Ende des elften Jahrhunderts2. Hier auch die
beiden Engel, in ganz gleicher Haltung wie Taf. 60,
wenn auch ohne Weihrauchfässer. Die Datierung von
Taf. 59, 60 auf das zehnte Jahrhundert darf dem-
nach nur als ungefähre in Anspruch genommen wer-
den: das Fresko ist schwerlich älter, aber vielleicht
etwas jünger. Es erinnert an die Portale romanischer
Kirchen.
L’art dans l’Italie meridionale. Bd. 1 (Paris 1904) Taf. 12 nach
der Handschrift im Brit. Mus. add. Mss. 30337.
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