Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg: eine Vierteljahresschr — 1.1868

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künstliche Form, darstellen. Um dieses zu können, muffen chie ein-
zelnen geschichtlichen Ereignisse u. dgl. aus dem Zusammenhang der
Chronologie herausgeriffen, einzeln besprochen und nach den verschie-
densten Seiten hin beleuchtet werden. Das „Archiv" wird so zwar
keine chronologisch-fortlaufende Geschichtserzählung liefern, aber es
wird dem unbefangenen und unterrichteten Leser nicht schwer fallen,
sich aus den einzelnen Stücken ein genügendes Gesammtbild zu schaffen.
Andrerseits wird es nur in dieser Form möglich werden, die Einzel-
heiten der Ereignisse in die Oeffentlichkeit zu bringen, durch welche
der Charakter der Zeit und ihrer Begebenheiten oft viel augenfälliger
dem Leser entgegentritt, als dieses durch eine nur in Abstraktionen
sich ergehende Geschichtserzählung möglich wäre. Und endlich fesseln
die Einzelheiten die Aufmerksamkeit langjähriger Bewohner der Stadt
und Beobachter ihres Lebens, sowie den Bürger, nicht minder aber
auch jeden Freund der Geschichtsforschung erst recht, denn erst hier-
durch vermag er sich die oft verworrenen Fäden von Ursache und
Wirkung zu entwirren.
Durch das „Archiv" wird, ich will es nicht verschweigen, wie
manches Dunkel verscheucht, so auch manches Vorurtheil zerstört wer-
den welches über der Geschichte unserer Stadt noch schwebt. Jedes
Gemeinwesen hat seine eigenen Entwickelungsformen, wenn auch der
Geist der Entwickelung in allen Städten zu einer gewissen Zeit und
innerhalb einer bestimmten örtlichen Begrenzung derselbe ist. Die
Triebkraft der Entwickelung schafft keine Schablonen, sondern leben-
dige Manichfaltigkeit, und es scheint mir für die richtige Beurtheilung
einer Ortsgeschichte viel dienlicher zu sein, vom Kleinen zum Großen,
vom Einzelnen zum Ganzen sortzuschreiten und durch die Vergegen-
wärtigung der Thatsachen sich ein Urtheil über die Gesammtverhält-
nisse zu bilden, als umgekehrt die geschichtlichen Einzelthatsachen in
die einmal angenommenen Allgemeinsormen einzwängen zu wollen.
Gern würde ich dem „Archiv" bildliche Darstellungen bei-
geben, welche dem Einheimischen wie dem Fremden eine willkommene
Verdeutlichung bieten würden. Es steht mir auch in diesem Stücke
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