Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg: eine Vierteljahresschr — 1.1868

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XXVI.

Zu Adam Neusers und Johannes Sylvcmus Ver-
solgungsgeschLchte.
Der t1i68auru8 xietururuiu erzählt diese Verfolgungsgeschichte
unter dem Titel: „Ui8toria Väaiui i^6U8sri et üoüauui8 8^1vaui"
in folgender Weise: Nachdem Ottheinrich und Friedrich III. das
Pabstthum in der Pfalz abgeschafft, wendeten sich etliche der arianischen
Lehre D zu, besonders Neuser, Pfarrer zu hl. Geist und Sylvan, Jn-
spector in Ladenbilrg, welche Beide Anhang hatten. Sie widersetzten
sich der Einführung der strengen calvinischen Kirchenzucht. Sie suchten
mit den gleich gesinnten Unitariern in Siebenbürgen Verbindungen
anzuknüpfen; ja man beschuldigte sie, die Pfalz an die Türkei zu
verrathen und sich dabei auf Siebenbürgen, Polen u. s. w. zu stützen,
wo der Arianismus im Schwange ging. Als 1570 der Fürst von
Siebenbürgen seine Gesandten auf den Reichstag zu Speier schickte,
so benützten Neuser und Sylvan dessen Anwesenheit zur Unterhand-
lung und überreichten ihm ein Schreiben an den Sultan. Der Fürst
aber liest das Schreiben an den Kaiser überliefern, der es dann an
den EPmffürsten Friedrich III. gelangen ließ. U Friedrich gab von
Speier aus, wo er sich auf dem Reichstag befand, an den Fauth und

y Volumen I. Nr. 20.
0 Was unter dieser Lehre zu verstehen sei, geht aus dein Schluß dieser Er-
zählung hervor; im Allgemeinen war der Arianismus die Leugnung der Gott-
gleichheit Christi.
0 Häußer Gesch. der Pfalz Band II. Seite 47 kennt diese Art, wie das
Schreiben au den Churfürsteu gelangte, noch nicht. Das Schreiben selbst findet
sich bei Struve K. Gesch. S. 229—234. Häußer a. a. O. und Vierordt Gesch.
der Reformation in Baden II. 476 ff. haben einige abweichende Einzelheiten.
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