Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg: eine Vierteljahresschr — 1.1868

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Das Wort „Gerichtsbezirk" deutet hin auf den Gerichts-
stand, der in Bergheim, wie wohl in allen andern Orten beschaffen
war. Die Gerichtsbarkeit verwaltete nämlich der von der Landes-
herrschaft ernannte Schultheiß (seultstus) in Gemeinschaft mit
den von den Bauern gewählten Schöffen (ssabini). Wir sehen
aus dieser einfachen Thatsache, daß die Verhältnisse in unserm Berg-
heim seit dem 10. Jahrhundert sich ganz wesentlich verändert haben.
Mehr und mehr waren überall aus den alten freien Herren
einzelne Familien hervorgewachsen, die auf Kosten der andern Freien
sich bereicherten. Der Stand der Freien lichtete sich mehr und mehr;
verhältnißmäßig nur wenige konnten ihr Befitzthum und ihren freien
Stand wahren; die meisten sanken zu Bewirthschaftern von Hub-
gütern herab und wurden als solche persönlich unfrei gegenüber den
Dynasten oder Landesherren und ihre Güter mußten sich nur mit
einem Scheine von selbstständigem Eigenthum begnügen; Beide blieben
mit Abgaben, Zinsen, Gilten, persönlichen Dienstbarkeiten u. s. w.
belastet.
Daß auch noch in dieser spätern Zeit in Berg heim adelige
Familien lebten, beweisen mehrere urkundlich erwiesene Thatsachen.
Eine Familie nannte sich nach dem Orte, die Familie von Berg-
heim. In ihr wurde späterhin der Vorname Ingram herkömmlich.
In einer Urkunde von 1208 erscheint ein ,MsAsnllaräu8 äs
Usr^sllsiin äs laism"; in einer solchen von 1228 Nsinllaräus
(wohl derselbe) äs LsrAsllsiin mit einem In^rainu8 als Zeuge;
ferner 1248 ist ein Oonrnäu8 äs UsrAsllsirn eurn Oonraäo
8srixtors (mit seinem Schreiber Conrad) Zeuge. Diese Familie
von Bergheim siedelte jedoch bald nach Heidelberg über, als dieses
rasch emporkam', und so kommt es, daß 1268 die Wittwe Jngrams
von Bergheim als Bürgerin zu Heidelberg genannt wird, und fortan
heißen die Ingram sümmtlich „von Heidelberg." Im selben Jahre
wird ein Ingram „unser Vasall von Heidelberg" aufgeführt,' ohne
Zweifel einer von jenen, die im gleichen Jahre „InArnmus -senior
st In^raMU8 junior äs Usiäsldsrsll" heißen, und alle ihre Rechte
und Güter zu Brühl dem Kloster Maulbronn überlassen. 1261 werden
„Ingram und Ingram, Beide Söhne des Ingram von Heidelberg,
Vogts zu Wieblingen" angeführt, und noch 1315 kommt in einer
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